GEMEINDE OBERBÖZBERG

GESCHICHTE

 

 

 

Einleitung

 

Der Gemeinderat von Oberbözberg hat Fritz Kohler ersucht, zum Anlass der im Jahre 1972 stattgefundenen 100-Jahr-Feier der Gemeinde eine kurze Festschrift zu verfassen. Fritz Kohler ist vor 70 Jahren in Oberbözberg aufgewachsen. Als Dank für diese Festschrift hat ihm die Gemeinde Oberbözberg im Jahre 1972 das Ehrenbürgerrecht erteilt.

 

Die Ausführungen sind also aus dem Blickwinkel "1972" zu betrachten. Beim Lesen der Geschichte merkt man, wie sich die Zeiten in den letzten 30 Jahren geändert haben und was 1972 noch Zukunft war, heute bereits überholt oder anders betrachtet wird.

 

Durch die Gemeindeverwaltung wurden bei den Statistiken noch die Folgejahre hinzugefügt. Die Überarbeitung und Aufbereitung für das Internet erfolgte durch Gemeindeschreiber Erwin Wernli.

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

Bözberg vor 1872

Das Gemeindewappen

Das Dorf

Die Menschen

 

Gemeindeammänner und Gemeindeschreiber

Bevölkerungszahlen

Die Familiennamen

Die Flurnamen

Handwerk und Gewerbe

Die Kirche

Wasserversorgung und Feuerwehrwesen

Strassen und Wege

Der Boden

Die Schule

Die Landwirtschaft

Der Wald

 

 

Bözberg vor 1872

 

 

Das Gebiet der bis 1872 ungeteilten Gemeinde Bözberg, zur Hauptsache ein nördlich der Bözbergstrasse auf 500 bis 600 m gelegenes Hochplateau, weist eine Gesamtfläche von 1168 ha auf, wovon heute noch ziemlich genau ein Drittel bewaldet ist. In der Gemeinde Oberbözberg beträgt die Bewaldung nach der Arealstatistik von 1952 etwas mehr als ein Drittel (186 von 548 ha Gemeindefläche), in Unterbözberg etwas weniger (192 von 620 ha). Früheste Spuren menschlicher Besiedelung dieser Gegend stammen aus der jüngeren Steinzeit. Reichlicher sind die Funde aus römischer Zeit. Die älteste Bözbergstrasse war ja ein Werk der Römer. Ein Stück des von ihnen in den Felsboden gehauenen Karrenweges hat sich bei Effingen erhalten. Wahrscheinlich sind sogar die Namen Bözberg und Bözen von dem durch den berühmten römischen Geschichtsschreiber Tacitus überlieferten Bergnamen Vocetius abzuleiten.

Das seit dem Mittelalter für die Bözberger Gegend charakteristische Siedlungsbild - eine Mehrzahl verstreuter kleinerer Dörfer, Weiler oder Gehöfte - geht dagegen auf die seit etwa dem 5. oder 6. Jahrhundert sich niederlassenden Alemannen und ihre späteren Nachfahren zurück. Die Alemannen erst werden das für ihre Siedlungen benötigte Land, soweit nicht da und dort noch Kulturland, das die Römer hinterlassen hatten, zur Verfügung stand, durch Rodung dem Walde abgewonnen haben. Hauptsächlicher Grundbesitzer mag im Bereich der späteren Gemeinde Bözberg, wie anderswo, schon früh ein Hochadelsgeschlecht geworden sein. Hier waren es die vermutlich im Elsass beheimateten Grafen von Habsburg. Schon die Urkunde von 1189, in welcher der Ortsname Bözberg überhaupt erstmals vorkommt, ist ein mittelbarer Hinweis auf den habsburgischen Besitz in der Gegend. Damals wurde nämlich dem von den Habsburgern gestifteten Kloster Muri durch Papst Klemens III unter vielen anderen. Zu einem grossen Teile von der Stifterfamilie herrührenden Besitzungen ein Gut zu Bözberg, Bozeberch, als Eigentum bestätigt.

Um jene Zeit, vielleicht schon seit langem, scheinen die Habsburger auch die im Mittelalter dem heiligen Erzengel Michael geweihte Pfarrkirche zu Unterbözberg die seit Menschengedenken zugleich den Leuten von Oberbözberg und Gallenkirch, seit Mitte des 17. Jahrhunderts auch den Linnern diente, besessen zu haben. Im Jahre 1227, anlässlich einer Vergabung des Grafen Rudolf von Habsburg, des Grossvaters König Rudolfs, an das Chorherrenstift Beromünster, erscheint im Gefolge des Grafen neben andern im engeren habsburgischen Herrschaftsbereich tätigen Leutpriestern (Pfarrern), nämlich jenen von Windisch, Brugg und Schinznach, auch der Leutpriester Ulrich von Bözberg (Bozeberc). Das ist das älteste Zeugnis für das Bestehen der Bözberger Pfarrkirche, die demnach am ehesten als Eigenkirche eines adeligen Grundbesitzers entstanden ist, sei es eines früheren Habsburgers, sei es eines Rechtsvorgängers aus einem anderen Hause.

Bereits in den 1230er Jahren vergabte Graf Albrecht IV. von Habsburg, der Vater König Rudolfs, dem Kloster Olsberg einen Getreidezins "in villa nostra Boceberg". 1242 ist die Rede von Steinbrüchen zu Villnachern und Bözberg, die in habsburgischem Besitz waren und in denen Mühlesteine gebrochen wurden. Besitzungen auf dem Bözberg, zu Villigen, Remigen, Mönthal und Lauffohr hatten die Habsburger nach ihrem Pfandrodel von 1281 versetzen müssen. Was die ältere Linie der Grafen von Habsburg, deren Macht 1273 durch die Wahl Rudolfs IV. zum deutschen König und 1282 durch die Belehnung seiner Söhne mit dem Herzogtum Österreich bedeutend angewachsen war, zu Beginn des 14. Jahrhunderts in der Bözberger Gegend noch besass, erfahren wir aus dem 1305 unter König Albrecht I. aufgenommenen Habsburger Urbar. Ihr dortiger beträchtlicher Besitz erscheint im Urbar als Amt, "das da heisset uff dem Botzberg", zusammengefasst. Dieses Amt erstreckte sich vom Bözberg aus bis nach Villnachern, Umiken, Riniken, Remigen, Villigen und Mönthal. In allen diesen Ortschaften stand der Herrschaft Habsburg-Österreich die hohe, in Villigen, Remigen und Mönthal auch die niedere Gerichtsbarkeit zu, und sie verfügte zudem überall, ausser in Villnachern, über Grundbesitz und bestimmte Gefälle.

Näher interessiert uns hier nur der Mittelteil des Amts auf dem Bözberg, d.h. das Gebiet der späteren Gemeinde Bözberg. Diese bestand als solche 1305, als das Habsburger Urbar abgefasst wurde, noch nicht. Das Urbar führt hingegen mehrere der dann die Gemeinde bildenden Siedlungen gesondert auf, zuerst die Ortschaft Babenberg (später Bamberg oder Bomberg genannt), wo die Habsburger mehrere Lehen, Güter, Äcker und Rütinen besassen und da von Zinsen bezogen; ein Gut hiess "zem langen Acker" (Langacker zwischen Oberbözberg-Bächlen und Kirchbözberg). Zu Babenberg entrichtete jedermann ein Fastnachtshuhn zuhanden der Herrschaft Österreich, welche daselbst Twing und Bann innehatte und über Dieb und Frevel richtete, also die niedere und die hohe Gerichtsbarkeit ausübte. Babenberg oder Bamberg - der Name taucht schon um 1273 in einem habsburgischen Einkünfterodel auf - scheint ursprünglich das Dorf Oberbözberg geheissen zu haben. Das Urbar führt sodann als weiteren habsburgischen Besitz zahlreiche Lehen mit ihren Gefällen zu Stadeln (Stalden), Homberg (westlich des Dorfes Oberbözberg) und Urspring (Ursprung) auf; hier bezog die Herrschaft überall auch das ihr geschuldete Fastnachtshuhn und verfügte über das Nieder- und Hochgericht. Dies galt nach dem Urbar ebenso für Ytal (Itelen an der Grenze gegen Remigen), Egenwile (Egenwil) und Bötzberg (jedenfalls Kirchbözberg), wo jedoch die Herrschaft keinen Grundbesitz hatte. In Egenwil, das bereits um 1273 im vorhin erwähnten Rodel bezeugt ist, gehörte dagegen dem Kloster Muri bis ins 15. Jahrhundert hinein ein Hof, auf welchem vor und nach 1400 Lehensleute aus Laufenburg sassen; das war vermutlich der schon 1189 erwähnte Muribesitz zu "Bozeberch". Er muss im ausgehenden Mittelalter von Muri verkauft worden sein. Ein weiterer Gebietsteil der heutigen Gemeinde Oberbözberg, das Überthal, wird ebenfalls, als Übertal, bereits im Habsburger Urbar von 1305 genannt, doch nur beiläufig und ohne Andeutung einer dort vorhandenen Siedlung, begegnet dann jedoch wiederum im österreichischen Lehensverzeichnis von 1361, zusammen mit dem Hof in Ital und weiteren Gütern auf dem Bözberg, zu Babenberg, wo eine Mühle erwähnt wird, zu Ursprung und Homberg. Letztere drei Örtlichkeiten werden übrigens schon 1290 in einem Einkünfterodel von König Rudolfs Schwiegertochter, der Herzogin Agnes von Österreich, genannt.

So lagen zu Beginn des 14. Jahrhunderts nicht nur die staatlichen Hoheitsrechte, das Niedergericht mit Twing und Bann und das Hochgericht im Gebiet der Gesamtgemeinde Bözberg in den Händen der Herzöge von Österreich, sondern diese waren auch die bedeutendsten Grundherren. Ein Teil der grundherrlichen Rechte auf Bözberg muss aber schon im 13. Jahrhundert bei der Güterteilung im Hause Habsburg an dessen jüngere Linie, die Grafen von Habsburg-Laufenburg, gekommen sein, namentlich der Kirchensatz, das Patronatsrecht der Bözberger Pfarrkirche, mit welchem das Pfarrwahlrecht verbunden war. Im Jahre 1336 war es Graf Johannes 1. von Habsburg-Laufenburg (t 1337), der seinem Ministerialen Konrad von Boswil um 90 Mark Silbers den Kirchensatz im Bözberg verkaufte. 1389 wurde dann derselbe von Konrads Sohn Eberhard von Boswil zu Laufenburg um 350 Gulden an das Franziskanerinnenkloster Wittichen im Schwarzwald weiterveräussert. Die Einführung der Reformation im Staate Bern mag schliesslich die Klosterfrauen von Wittichen veranlasst haben, das Patronatsrecht der Bözberger Kirche samt demjenigen der Kirche Rein, das ihnen 1345 Herzog Albrecht II. von Österreich geschenkt hatte, 1544 an Junker Hartmann von Hallwil (t 1573) zu verkaufen. Die Erbteilung unter dessen drei Söhnen führte auch zur Dreiteilung der beiden Kirchensätze, von denen 1588 und 1589 die Stadt Brugg zwei Drittel erwarb, während der dritte Drittel 1599 an die Herren von Bern und von diesen 1803 an den neu gegründeten Kanton Aargau gelangte. Dieser brachte 1810 auch die beiden Brugger Drittel an sich.

Muri und Wittichen waren im Mittelalter nicht die einzigen im Gemeindebereich von Bözberg begüterten Klöster. Die Abtei Wettingen kam 1334 durch Vergabung und 1345 durch Kauf zu Grundbesitz und entsprechenden Einkünften auf dem Bözberg, ebenso Königsfelden seit 1355 unter mehreren Malen. Habsburgische Besitzungen und Rechte gingen durch Belehnung oder Verpfändung an andere, vor allem an Familien des niederen Adels über, ohne dass wir dies im einzelnen immer genau verfolgen können. Die gerichtsherrlichen Rechte Österreichs im Amt Bözberg hat die in Königsfelden lebende Königin Agnes von Ungarn (t 1364) mindestens in ihren späteren Jahren, sicher seit 1348, ausgeübt oder durch ihre Amtsleute ausüben lassen. Bald nach dem Tode der Königin verpfändeten die österreichischen Herzöge diese Hoheitsrechte an Herren des niederen Adels. 1377 und dann in der Folge immer wieder finden wir die Gerichtsbarkeit auf dem Bözberg in den gleichen Händen wie die Herrschaft Schenkenberg, nämlich vorerst der Herren von Schönau, schliesslich, nach mehreren Handänderungen, seit 1451 der Herren von Baldegg. So verschmolzen die Ämter Bözberg und Schenkenberg, und mit der militärischen Besetzung des Gebietes im Jahre 1460 übernahm Bern alle bisherigen Rechte Österreichs und machte aus dem Amt Schenkenberg eine eigene Landvogtei.

Innerhalb dieses Amtes bildete das Gebiet der Gemeinden Villigen, Remigen, Mönthal, Lauffohr, Rüfenach-Rein, Riniken, Stilli, Bözberg und Linn einen von fünf Gerichtsbezirken, bis die bernische Obrigkeit auf Ersuchen der zu diesem Gericht gehörenden Bevölkerung - angesichts der "vili des volcks"- 1566 die Teilung des einen Gerichts Bözberg in das niedere und in das obere Gericht auf dem Bözberg anordnete. Letzteres umfasste fortan die Gesamtgemeinde Bözberg und Linn, ersteres die übrigen genannten Gemeinden. Beiden Gerichten stand je ein besonderer Untervogt vor. Der amtlichen Aufzeichnung von 1566 über die damalige Neuordnung des Bözberger Gerichts entnehmen wir die ältesten genaueren Angaben über die Grösse, d.h. die Feuerstättenzahl der Einzelsiedlungen innerhalb des Gemeindebanns von Bözberg; es werden darin aufgeführt: "By der kilchen mit Lengenmatt und Grimdwäschen in der Hafneren 11 fürstett, Ursprung 5, zu Bomberg und Bächlen 18, im Übertal 4, zu Egenwil 3, am Rüdacher 4, uf dem Alisperg 2, am Stalden 7", welche Örtlichkeiten als eine Gemeinde, deren Bewohner miteinander steuern und reisen (ins Feld ziehen), zusammengefasst werden. Linn mit seinen 16 Feuerstätten erscheint daneben als "ein sunderbare gemeind"  des obern Gerichts. In Bözberg zählte man also insgesamt 54 Feuerstätten; ihnen mag eine Wohnbevölkerung zwischen etwa 200 und 300 Seelen entsprochen haben. Die seit dem 16. Jahrhundert allgemein festzustellende Bevölkerungszunahme machte sich damals wohl auch schon auf dem Bözberg bemerkbar. Eine Zählung von 1653 verzeichnete für Bözberg bereits 65 Feuerstätten, und wieder gut ein Jahrhundert später, 1764, waren es deren 163, nämlich in Unterbözberg 11, Oberbözberg 49, Überthal 6, Egenwil 4, Hafen 23, Ursprung 18 und Stalden 11. Die Bevölkerung wurde 1764 erstmals genau gezählt; sie bestand in Bözberg aus 792 Seelen. Die Feuerstättenzahlen deckten sich sicher nicht mit dem (bei den erwähnten Zählungen nicht festgestellten) Bestand an Wohnhäusern, sondern entsprechen den Zahlen der Haushaltungen, von denen manchmal, besonders bei stark zunehmender Bevölkerung, mehr als eine im gleichen Haus gelebt und über ihre eigene Feuerstätte verfügt haben muss. Daher zählte man 1798, am Ende der Berner Zeit, in der Gesamtgemeinde Bözberg nur 79 Wohnhäuser. Diese Zählung war aber wohl ungenau, denn 1803, bei der ersten Zählung im neugegründeten Kanton Aargau, stellte man bereits das Vorhandensein von 107 Häusern fest, in denen 164 Haushaltungen mit einer Bevölkerung von insgesamt 827 Seelen, also nur 35 mehr als 1764, lebten.

Im Mittelalter muss, wie anderswo, im Gebiet von Bözberg ein grosser Teil des Bodens Grundbesitz des Landesherrn und sonst des Adels oder von Klöstern und andern Kirchen gewesen sein. Die bäuerliche Bevölkerung bebaute diesen Grundbesitz, den sie als Lehen gegen bestimmte Zinsen, gewöhnlich Naturalzinsen, innehatte. Solche ursprüngliche Lehenszinsen waren meist die später sogenannten Bodenzinsen, zu welchen in nachmittelalterlicher Zeit noch Zinsen kamen, die entweder beispielsweise den Bauern für obrigkeitliche Rodungsbewilligungen oder für verliehene Wasserrechte auferlegt wurden oder von Jahrzeitstiftungen oder von Schuldverschreibungen herrührten. Hinsichtlich der Bauernlehen verlief nun die allgemeine Entwicklung so, dass immer mehr dieser Bauernlehen zu Erblehen wurden, die den Lehensleuten nur noch bei Pflichtvernachlässigung, wie Nichtbezahlung von Zinsen, entzogen werden konnten, und dass sich dementsprechend das ursprüngliche Eigentumsrecht des Lehensherrn allmählich soweit abschwächte, dass schliesslich der Bauer tatsächlicher Eigentümer des von ihm bebauten Bodens wurde, auf dem nur noch der dem einstigen Lehensherrn oder seinem Rechtsnachfolger zu entrichtende Bodenzins lastete. Der frühere Grundbesitzer war blosser Bezüger von Bodenzinsen geworden, auf die es ihm auch allein noch ankam. In vielen Fällen spiegeln so aber doch die Namen der Bodenzinsbezüger bis zur allgemeinen Ablösung der Bodenzinse im 19. Jahrhundert weitgehend noch die mittelalterlichen Grundbesitzverhältnisse in einer Gemeinde wider. In Bözberg kam es seit dem ausgehenden Mittelalter zu einer starken Konzentration der Bodenzinsen in der Hand der Herren von Bern. Vorerst übernahmen diese 1460 mit der einst habsburgischen Herrschaft Schenkenberg auch allen zur Burg gehörenden Grundbesitz und die von den Bauern dorthin geschuldeten Gefälle. Durch die Säkularisation des Klosters Königsfelden fielen sodann 1528 dessen Besitzungen und Zinsen zu Bözberg an Bern. Das Kloster Wettingen veräusserte 1541 die seinigen tauschweise an die Familie Effinger von Wildegg; aus deren Hand erwarb sie 1597 ebenfalls Bern zuhanden seines Schlosses Schenkenberg. Wie weit es daneben schon im Mittelalter im Bereich der Gemeinde Bözberg freies, unbelastetes bäuerliches Grundeigentum gegeben hat, lässt sich schwerlich abklären. Erwähnt sei, dass der Egenwilerhof im 16. Jahrhundert lange im Besitze der Basler Patrizierfamilie Ryhiner gewesen ist.

Da die Bodenzinsen auf bestimmten Grundstücken lasteten und diese im Laufe der Zeit häufig, ganz oder stückweise, die Hand änderten, mussten allmählich mancherlei Unklarheiten über die Zinsverpflichtungen der Bodenbesitzer entstehen, die immer wieder die Bereinigung von Bodenzinsverhältnissen notwendig machten. Radikale Gesamtbereinigungen hat Bern in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durchführen lassen, zuerst in der grossen Grafschaft Lenzburg, dann im Amt Schenkenberg, wo die Arbeit 1687 vollendet wurde. Das Ergebnis letzterer Arbeit war das Schenkenberger Haupturbar, der dickste Foliant des aargauischen Staatsarchivs, in welchem dem Bözberger Gemeindegebiet gegen 70 Seiten gewidmet sind. Wie bei allen Gemeinden finden wir zunächst alle Bodenzinsverpflichtungen, die bisher innerhalb der Gemeinde bestanden, zusammengestellt. Am zahlreichsten waren jene gegenüber dem Schloss Schenkenberg, beträchtlich auch diejenigen gegen das Haus Königsfelden, in beiden Fällen also gegenüber dem Staat Bern. Es folgten als weitere bisherige Zinsbezüger die Stadt Brugg (Hallwil'sche Pflege, Spital und Stadtkirche), die Pfarrkirchen Bözberg, Veltheim, Rein, Auenstein und Grosslaufenburg, endlich die Herrschaft Kasteln, die damals den Töchtern des Generals Hans Ludwig von Erlach gehörte.

 

Durch die Bereinigung von 1687 wurden nun in jeder Gemeinde genau umgrenzte Bodenzinsbezirke geschaffen und die bisherigen Bodenzinse auf dieselben neu verteilt. Offenbar nur zum Zwecke dieser Bodenzinsbereinigung hat man damals das Gemeindegebiet von Bözberg, ohne es faktisch zu trennen, in die drei Gemeinden Stalden, Bözberg und Ursprung gegliedert. Stalden erhielt 4 Bodenzinsbezirke (genannt der Rank, die Weid, der Baumgarten, auf der Stellb, Bözberg deren 9 (genannt der Homberg, im Lüttisbach, die Wolfgruben, der Adlisberg, die Rebersmatt, die Juffen, die Ehnet, die Grossmatt, das Eichholz) und Ursprung deren 3 (genannt der Birracher, der Ursprung, im Hafen oder Langmatten). Einige zinspflichtige Güter blieben aus diesen Bezirken ausgeklammert und wurden "bey ihrem alten Zins und Rechten gelassen", so u. a. in der Gemeinde Stalden das sogenannte gemeine Birch, für dessen Nutzung die Gemeinde selber einen Zins von 5 Schillingen und 2 Mütt Kernen ins Schloss zahlte, dann in der Gemeinde Bözberg gewisse Einzelhöfe, wie der Hof auf der Letzi mit seinen 90 Jucharten Land, die aus dem Besitz der Effinger stammenden drei Höfe hinter der Kirche, die obere und die untere Mühle, das Gut des Sigrists, die Höfe im Übertal und auf dein Rüdacker, in der Gemeinde Ursprung der ebenfalls früher Effingersche Hof in der Langmatt. Gesondert aufgeführt wird auch der Zins von 31 Pfund Geld und 6 Mütt Kernen, den die Geschworenen der Gemeinde Bözberg in deren Namen jährlich für die Nutzung der gemeinen Hölzer, d.h. der in obrigkeitlichem Besitz stehenden Waldungen, ins Schloss zu geben hatten. Was eine Gemeinde bisher insgesamt an Bodenzinsen, teils in Geld, teils in Naturalien (Kernen, Roggen, Haber, Hühner, Hähne, Eier) hatte entrichten müssen, wurde in sogenannte Stuck umgerechnet. Ein Stuck hatte den Wert von 1 Mütt Kernen oder 1 1/2  Mütt Roggen oder 1 Malter (4 Mütt) Haber. Da beispielsweise 1 Mütt Kernen rund 70 kg wiegt und die Bodenzinsschuld der Gesamtgemeinde Bözberg 164 Stuck betrug, machte diese Schuld, in Kernen entrichtet, 164 Mütt oder rund 115 Zentner aus. Zinsen im Werte von 115 Zentnern Kernen - die Zinsen wurden seit 1687 nur noch in Kernen, Haber oder Geld ausgerichtet - hatte also die Bevölkerung von Bözberg, die damals wohl aus nicht mehr als etwa 500 bis 600 Personen bestand, jährlich aufzubringen. Die Bodenzinsen waren aber nicht ihre einzigen Abgaben; es kamen dazu noch die nach dem jeweiligen Bodenertrag in ihrer Höhe schwankenden Zehnten. Sie waren einst im Frühmittelalter als Kirchensteuer eingeführt worden und konnten, wie die Bodenzinsen, erst im 19. Jahrhundert abgelöst werden.

Schon in der Art der Abgaben spiegelt sich die Tatsache wider, dass die Leute auf dem Bözberg ihren Lebensunterhalt während Jahrhunderten fast ausschliesslich als Bauern verdienten. Sie bebauten ihr Ackerland, besonders wenn sie in Dörfern oder Weilern beisammen wohnten, nach dem System der Dreifelderwirtschaft; ihre Ackerparzellen lagen über die drei ZeIgen verstreut in Gemengelage, es musste daher gleichzeitig gepflügt, gesät oder geerntet werden. Innert der Grenzen der Gesamtgemeinde Bözberg hatten verschiedene Siedlungen, die eine Mehrzahl von Häusern umfassten, ihre eigenen drei ZeIgen; deutlich lassen sie sich z. B. bei Ursprung nachweisen. Da neben führten grosse, abseits liegende Einzelhöfe landwirtschaftlich ihr Sonderleben, wie etwa die Höfe im Übertal, im Riedaker, auf Adlisberg oder auf der Letzi. Letztere drei Höfe sind erst am Ende des Mittelalters durch Neurodung entstanden. Als grösstes Dorf im Gemeindebann erscheinen, wie früher erwähnt, schon 1566 "Bomberg und Bächlen", nämlich mit der höchsten Feuerstättenzahl 18. Man kann daraus wohl schliessen, dass Bomberg (ursprünglich Babenberg oder Bamberg) der ältere Name des eigentlichen Dorfes Oberbözberg, speziell seines oberen Teiles, gewesen ist, heisst doch der untere Teil heute noch Bächlen. Nicht zufällig war Bomberg damals Wohnsitz des Untervogts und von zwei Ausgeschossenen der Gemeinde und wurde es Tagungsort des obern Gerichts auf dem Bözberg. Kirchbözberg zählte 1566 mit Hafen zusammen nur 11 Feuerstätten.

Das Bözberger Gebiet war schon in alter Zeit nicht abgelegen, da es ja von der Bözbergstrasse durchquert wurde. Der Pass muss noch in nachrömischer Zeit bis ins spätere Mittelalter einen regen Verkehr aufgewiesen, in der Folge aber an Bedeutung verloren haben. Spätestens im 16. Jahrhundert entstand, ausserhalb Effingen von der römischen Strasse abzweigend, dieselbe an ihrer Nordseite begleitend und bei Alt-Stalden sich wieder mit ihr vereinigend, ein neuer Strassenzug. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war dann aber die Bözbergstrasse zeitweilig in einem solchen Zustande, dass sie nur mit Schwierigkeiten zu befahren war. Abhilfe schuf hier erst die 1777 bis 1779 von den Bernern vorzüglich angelegte, auf der ganzen Strecke von Effingen bis nach Brugg etwas nach Süden verschobene neue Bözbergstrasse. Der Neubau der Strasse machte die Verlegung der alten Taverne von Stalden nach Neu-Stalden notwendig. Neueste Forschungen von Prof. Rudolf Laur-Belart haben es wahrscheinlich gemacht, dass zur Zeit der Römer noch eine andere wichtige Strasse die Gemeinde Bözberg durchzog; sie verlief von Effingen her über die Katzensteig am Abhang des Hombergs direkt gegen das Dorf Oberbözberg, dessen Anlage als ausgesprochenes Strassendorf sich dadurch zwanglos erklärt, und von hier zwischen Remigen und Rüfenach auf das Aareufer bei Stilli zu, wo in früher Zeit eine Aarebrücke bestanden haben muss. Ins Mittelalter wird die Laufenburgerstrasse zurückreichen, die von Oberbözberg aus durch das Sulztal an den Rhein führte. Der Verkehr namentlich über die Bözbergstrasse brachte der Bevölkerung einigen zusätzlichen Verdienst, aber wohl mehr noch die im 18. Jahrhundert aufkommende Heimarbeit für die Baumwollindustrie. Am Adlisberg wurde damals nach Eisenerz gegraben.

Nach der gegen das Ende der Berner Zeit verfassten amtlichen Landesbeschreibung, dem sogenannten Regionbuch von 1782/84, versammelte sich das Gericht Bözberg (früher das obere Gericht; das niedre hiess nun Gericht Stilli) jeweilen im Wirtshaus auf dem neuen Stalden; es bestand aus dem Untervogt und 12 Gerichtsässen und umfasste ausser Linn noch immer nur die Gesamtgemeinde Bözberg mit den 18 Örtlichkeiten Unter- und Oberbözberg, Bächlen, Überthal, vordere Leze, Rüdacker, Kärliacker, Egenwil, Alt-Stalden, Neu-Stalden Birch, Ursprung, Grindwäschi, Sagel, Langmatt, Schnellen, Hafen und Itelen. In Unter- und in Oberbözberg gab es je eine Schule, die ins 17. Jahrhundert zurückreichen mögen.

Das Ende des Regimes der Gnädigen Herren von Bern und ihrer Amtsleute - den Bözbergern waren seit 1460 die Schenkenberger Landvögte vorgesetzt gewesen - führte im Revolutionsjahr 1798 zur Eingliederung der Gegend am Bözberg in den Distrikt Brugg des neuen Kantons Aargau, welcher, solange die Helvetische Republik dauerte, nur aus dm bisherigen Berner Aargau östlich der Wigger bestand. Seit der Gründung des jetzigen Kantons blieb Bözberg beim Bezirk Brugg; es wurde 1803 dem Kreis Bözcen zugeteilt. Die Organisation der Gemeinden und ihrer Behörden wurde von Anfang an für den ganzen Kanton gesetzlich geregelt und demgemäss in jeder Gemeinde ein vom Ammann präsidierter Gemeinderat bestellt. Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Bözberger Bevölkerung haben sich durch den Umschwung von 1798/1803 nicht wesentlich geändert. Die Bevölkerungszahl, die 1803  827 betrug, stieg zunächst noch an, auf 1063 im Jahre 1837, um dann langsam, aber stetig zu sinken: 1850 auf 1060, 1860 auf 926, 1870, bei der letzten Volkszählung vor der Gemeindetrennung, auf 904. Sie ist in der Folge noch weiter, unter 700, gefallen und erst in den letzten drei Jahrzehnten wieder etwas angewachsen. Die Bözbergbahn, die erst 1875 eröffnet worden ist, konnte der wirtschaftlichen Entwicklung von Bözberg kaum Auftrieb geben, da sie ganz ausserhalb der Gemeinde verläuft und die dieser am nächsten gelegenen Bahnhöfe, Brugg und Schinznach-Dorf, doch recht weit entfernt sind; das nähere Villnachern erhielt erst 1926 seine Haltestelle.

1803 hatte man, wie früher erwähnt, in der Gesamtgemeinde Bözberg 164 Haushaltungen in 107 Wohnhäusern gezählt. Um 1840 war die Wohnhäuserzahl auf 129 angewachsen, von denen, nach dem 1844 erschienen Werke F. X. Bronners über den Aargau, 66 mit Ziegeln und 63 noch mit Stroh gedeckt waren; daneben gab es 33 mit Ziegeln und 8 mit Stroh gedeckte Nebengebäude. Bronner erwähnt das Bestehen einer obern und einer untern Schule in Oberbözberg und je einer eigenen Schule in Unterbözberg und Ursprung. 1860 verzeichnete man 152 Wohnhäuser mit 179 Haushaltungen, 1870 156 Wohnhäuser mit 184 Haushaltungen, 1880, nach der Trennung, noch 155 Wohnhäuser (Oberbözberg 65, Unterbözberg 90) mit 180 Haushaltungen (Oberbözberg 80, Unterbözberg 100), was dem Sinken der Bevölkerungszahl entspricht (1880: 336 + 505 = 841). Nach Bronner hat die Gemeinde Bözberg "den Ruhm erworben, dass sich ihre Angehörigen durch Fleiss und Tätigkeit auszeichnen und in strenger Arbeit besonders abgehärtet sind".

Die Frage der Trennung der grossen Gemeinde Bözberg - sie war die grösste des ganzen Bezirks Brugg und entbehrte einer bedeuten den zentralen Dorfsiedelung - beschäftigte Bevölkerung und Behörden schon ein halbes Jahrhundert vor der schliesslichen Gemeindetrennung. Erstmals wurde am 5. März 1823 von der Gemeindeversammlung fast einhellig die Zweiteilung beschlossen und am 22. Januar 1825 dieser Beschluss wiederholt, worauf die Regierung ihre grundsätzliche Zustimmung erklärte und den Auftrag erteilte, einen Teilungsplan zu entwerfen. Die Gemeinde war jedoch in dieser Frage gar nicht so einig, wie es zunächst den Anschein gehabt hatte, und ein Bericht des Oberamtmanns von Brugg fiel eher negativ aus. Am 21. September 1826 kam auch die Regierung zu einem ablehnenden Entscheid. Zehn Jahre später waren es die Ortschaften Oberbözberg, Überthal und Rüdacker, welche einen neuen Vorstoss für eine Gemeindetrennung unternahmen. Sie stiessen auf den entschiedenen Widerstand des untern Gemeindeteils, worauf die Regierung am 28. Juni 1836 beschloss, nicht auf die Trennung eintreten zu wollen, solange nicht die entschiedene Mehrheit der Gemeinde sich dafür ausspreche.

Dieser Fall schien zwanzig Jahr später eingetreten zu sein, als die Gemeinde Bözberg am 9. Februar 1856 mit an Einstimmigkeit grenzender Mehrheit beschloss, sich in drei besondere, besser arrondierte politische Gemeinden zu trennen. Aber bald meldete sich auch diesmal die Opposition; vor allem wehrten sich Leute aus Kirchbözberg gegen einen Zusammenschluss mit dem Gemeindeteil Hafen, der als der eigentliche Sitz der Armut in der Gemeinde bezeichnet wurde, und sie wiesen auf weitere mit der Trennung verbundene Schwierigkeiten hin. Berichte des Gemeinderates und des Bezirksamtes bewogen jedoch die Regierung, im Mai 1857 dem Grossen Rat einen entsprechenden Dekretsentwurf mit dem Antrag auf Genehmigung vorzulegen. Dieser Entwurf sah tatsächlich die Aufteilung Bözbergs in folgende drei politische und Ortsbürgergemeinden vor: 1. Oberbözberg (mit Adlisberg, Überthal und Rüdacker), 2. Kirchbözberg (mit Hafen, Sagel und Schnellen), 3. Ursprung (mit Neu- und Alt Stalden Birch und Egenwil ). Die drei neuen Gemeinden sollten Oberbözberg, Unterbözberg und Ursprung heissen. Am 4. März 1858 wurde dieses Dekret vom Grossen Rate als den Verhältnissen nicht entsprechend verworfen und die Sache an den Regierungsrat zurückgewiesen. Die Gemeinde ihrerseits beschloss am 25. Oktober desselben Jahres mit 112 gegen 20 Stimmen, welche für die Trennung in zwei Gemeinden eintraten, an der Teilung in drei Gemeinden festzuhalten, doch unter Vorbehalt von Abänderungen bezüglich der Verteilung der Armen auf die Teilgemeinden. Das Bezirksamt Brugg bemängelte diese Abstimmung und riet nun von einer Trennung, gar von einer solchen in drei Gemeinden, aus verschiedenen Gründen ab. Der Plan der Trennung sei hauptsächlich von Oberbözberg ausgegangen. Am 22. Dezember 1858 kam die Regierung zum Schluss, "von einer Trennung der Gemeinde Bözberg für einmal abzusehen und die Sache bis auf allfällig weitere zweckmässigere Vorschläge für eine Auflösung in nur zwei Gemeinden auf sich beruhen zu lassen".

Rund neun Jahre hernach sind dann die Beratungen über die Zweiteilung der Gemeinde erneut in Fluss gekommen und haben nach mehr als vierjährigem, wechselvollen Ringen zum Ziele geführt. Der Anstoss kam wiederum aus dem oberen Teil der Gemeinde. Von 100 Stimmfähigen dieses Teiles nahmen am 31. Januar 1868 deren 69 an einer Versammlung teil und sprachen sich einstimmig für die Trennung aus, worauf die Ortschaften Oberbözberg mit Bächlen, Überthal und Riedacker nebst den Höfen Adlisberg, Ülbach und Italen am 4. März in einer Eingabe die Kantonsbehörden ersuchten ihre Lostrennung von der bisherigen Gesamtgemeinde Bözberg erwirken. Die Trennungsfreunde stellten dabei die Schwerfälligkeit der Verwaltung einer so ausgedehnten Gemeinde in den Vordergrund. Im  südlichen Teil der Gemeinde war man auch diesmal mehrheitlich anderer Meinung. Hier ergab am 19. Juni eine Abstimmung, dass 78 Bürger für und 112 gegen eine Trennung waren. Von den Gegnern wurden namentlich die ins Feld geführten Verwaltungsschwierigkeiten entschieden in Abrede gestellt. Ein erster, der Regierung am 15. November 1868 durch die Direktion des Innern erstatteter Bericht sprach sich damals zugunsten des Trennungsgesuches der Oberbözberger aus und legte gleich zuhanden des Grossen Rates einen entsprechenden Dekretsentwurf vor.

 

 

Gesamtgemeinde Bözberg

Ausschnitt aus der Aargauer Kantonskarte von E.H. Michaelis (1845)

...... Gemeindegrenze zwischen Ober- und Unterbözberg 1872

 

Die Regierung beauftragte am 6. Januar 1869 den Direktor des Innern, Regierungsrat Adolf Fischer, "persönlich an Ort und Stelle über die Stimmung der Bevölkerung betreffend das Trennungsprojekt Erkundigungen einzuziehen und durch Verhandlungen mit den einflussreichen Persönlichkeiten zu versuchen, ob die Trennung nicht zu vermeiden sei".

Erst am 5. September 1869 fand die Aussprache mit je 5 Ausgeschossenen der beiden Gemeindeteile statt. Trotzdem die Stimmung zwischen den Parteien eine ziemlich gereizte zu sein schien, hätten sie doch, nach dem Bericht, die Verhandlungen "innert den Schranken ruhigen Anstandes" gehalten werden können. Dem Regierungsvertreter wurde es jedoch klar, dass eine Einigung der Parteien völlig unmöglich sei; an die freiwillige Aufgabe des Trennungsgedankens durch die obere Gemeinde sei gar nicht zu denken, während der Widerstand der unteren Gemeinde gegen die Trennung nach seinem Eindruck doch eher etwas schwächer geworden sei. Nun glaubte die Regierung, auf dem ihr von ihrem Kollegen Fischer empfohlenen Wege weiterschreiten zu können; am 13. November 1869 unterbreitete sie dem Grosse Rate den Dekretsentwurf über die Bildung der zwei neuen Gemeinden Bözberg (Oberbözberg, Adlisberg, Überthal, Riedacker und Italen) und Ursprung (Ursprung, Birch, Alt- und Neu-Stalden, Egenwil, Kirchbözberg, Sagel, Hafen und Sindel), und am 22. November bestellte der Grosse Rat eine Kommission zur Beratung des Dekretes. Vom selben Tage ist eine von 114 Bürgern aus der geplanten Gemeinde Ursprung unterzeichnete Erklärung datiert, mit welcher dieselben gegen die beabsichtigte Gemeindetrennung protestierten, da sie in der Bildung einer eigenen Gemeinde "nicht nur keine Besserstellung gegenüber dem bestehen den Gemeindeverbande, sondern entschiedene Nachteile und Gefährdung aller ihrer öffentlichen Verhältnisse" erblickten. Eine zweite Eingabe mit rund 120 Unterschriften legte am 1. März 1870 nochmals die Argumente der Trennungsgegner aus den unteren Ortschaften dar; dort befürchtete man dass die Trennung ihnen im wesentlichen nur Nachteile bringen werde, so durch Überbürdung der meisten Armen. Eine Eingabe der gleichen Partei vom 15. Mai bittet den Grossen Rat, zu erwägen, "ob es gut sei, einen geordneten Gemeindehaushalt auseinander zureissen und daraus eine reiche und eine arme Gemeinde zu schaffen". Eine Eingabe der Oberbözberger vom 30. Dezember 1869 beschränkte sich auf den Vorschlag einer Änderung des Dekrets bezüglich des noch zu erbauenden Schulhauses zu Ursprung; die in § 7 festgestellte Beitragspflicht der Oberbözberger an diesen wurde von denselben grundsätzlich nicht bestritten, und der Änderungsvorschlag fand denn auch Berücksichtigung im Dekretsentwurf.

Der 18. Mai 1870 war der am Bözberg mit grosser Spannung erwartete Tag der entscheidenden Grossratssitzung. Als Berichterstatter der grossrätlichen Kommission plädierte der bekannte radikale Badener Stadtammann und Zeitungsverleger Josef Zehnder ausführlich und vehement, vielleicht zu vehement für die Trennung. Bözberg zeige seit Jahren nicht mehr das Bild einer Gemeinde, sondern sei "nur noch ein Lager zweier Parteien, die sich auf Tod und Leben bekämpfen, und darum die Trennung als eine Wohltat angesehen werden muss".

Nach gewalteter Diskussion wurde demnach der Kommissionsantrag auf Eintreten knapp mit 60 Nein gegen 57 Ja verworfen und dafür beschlossen "den Regierungsrat einzuladen, allfälligen Übelständen in den administrativen Verhältnissen der Gemeindeverwaltung in geeigneter Weise abzuhelfen".

In Oberbözberg muss man diesen Entscheid mit tiefer Enttäuschung entgegengenommen haben; man fasste aber schon bald wieder Hoffnung, dass sich die Sache doch noch zum Guten wenden lasse. Bereits am 21. Oktober 1870 gelangte die "Kommission der oberen Ortschaften der Gemeinde Bözberg" mit einer ehrerbietigen Vorstellung an die Kantonsbehörden und ersuchte sie, auf den Beschluss vom 18. Mai zurückzukommen. Zur Begründung wurde namentlich auf die bloss zufällige Abwesenheit vieler Grossräte während der Abstimmung hingewiesen, ferner auch darauf, dass das Abzählen der Stimmen bei dem gerade in jenem Zeitpunkt herrschenden Kommen und Gehen von Mitgliedern - es war Aarauer Markttag - schwierig und unsicher gewesen sei! Die Regierung leitete das Gesuch am 9. November an den Grossen Rat weiter, ohne aber einen bestimmten Antrag zu stellen. Im Februar 1871 lag der Kantonsbehörde auch eine Eingabe der "Kommission der unteren Ortschaften der Gemeinde Bözberg" vor, in welcher diese ihren Standpunkt wiederum mit Entschiedenheit verteidigten. Am 26. September konnten die oberen Ortschaften einen ersten Erfolg buchen. Der Grosse Rat behandelte ihren Rückkommensantrag und beschloss, die Angelegenheit der Trennung nochmals in Beratung zu ziehen. Diesen Antrag hatte wiederum Stadtammann Zehnder von Baden gestellt und für denselben 52 Stimmen erhalten. Für Nichteintreten hatte ein anderes prominentes Grossratsmitglied, alt Ständerat und Fürsprech Johann Haberstich, gesprochen und war mit 41 Stimmen unterlegen. Die Regierung konnte sich auch jetzt noch nicht zu einem bestimmten Antrag entschliessen. Die Unterbözberger setzten sich erneut für das Weiterbestehen der Gesamtgemeinde ein, zuletzt am 20. Februar 1872 mit einer von Gemeindeschreiber Johann Jakob Häni verfassten Eingabe, in der sie den Grossen Rat mit dem Hinweis auf die unbestreitbare Tatsache, dass die Trennung nur von der Minderheit der Stimmbürger der Gesamtgemeinde verlangt werde, ersuchten, dieses Trennungsbegehren "für ein und allemal abzuweisen, und zum voraus gegen einen allfälligen Trennungsbeschluss protestieren".

Der Entscheid fiel schon eine Woche später, in der Grossratssitzung vom 27. Februar 1872. Als Berichterstatter amtete auch diesmal Jos. Zehnder. Schliesslich stimmten 81 Mitglieder für den Kommissionsantrag, auf die Beratung des Trennungsdekretes einzutreten, während sich 47 für Abweisung aussprachen. In der Schlussabstimmung fand das bereits 1868 entworfene Dekret, mit der seinerzeit gewünschten kleinen Änderung, Annahme. Das Dekret sollte auf Jahresanfang 1873 in Kraft treten. Es teilte die Gesamtgemeinde Bözberg in die beiden neuen Gemeinden Oberbözberg und Ursprung, die jedoch durch eine von der unteren Gemeinde angeregte Dekretsänderung vom 30. November 1872 nachträglich die Namen Oberbözberg und Unterbözberg erhielten. Die Grenzen der zwei neuen Gemeinden hatte der Regierungsrat festzulegen. Sie waren auf Kosten der Gemeinden durch gehauene Steine auszumarchen. Die Bürger der bisherigen Gemeinde erhielten das Bürgerrecht derjenigen neuen Gemeinde, in welcher sie zur Zeit des Dekreterlasses wohnten, oder, wenn sie fortgezogen waren, jener Gemeinde, in der sie oder ihre Vorfahren vor ihrem Wegzug gewohnt hatten. Das Gemeinde-, Schul- und Armengut der Gesamtgemeinde wurde unter den zwei neuen Gemeinden nach ihrer ortsbürgerlichen Seelenzahl aufgeteilt. Den Einzelortschaften gehörende Schulgüter und andere Fonds fielen nicht in die Teilung. Die Kosten des für die neue Gemeinde Unterbözberg (Ursprung) zu erstellenden Schulhauses waren nach Abzug des Erlöses aus dem alten Schulhause in Ursprung von beiden Gemeinden nach Verhältnis der Steuerkraft zu bestreiten. Der Kirchenverband der Pfarrgemeinde Bözberg, mit Linn und Gallenkirch, blieb unverändert.

Mit der Annahme des Dekretes vom 27. Februar 1872 kam aber die Trennungsfrage noch nicht zur Ruhe. In der unteren Gemeinde setzte man die Hoffnung jetzt auf den im Frühjahr 1872 neugewählten Grossen Rat, und im April stellten 27 auswärts wohnende Bözberger, dann im Mai 114 ortsansässige Bürger an den Grossen Rat das förmliche Gesuch um Rückgängigmachung der Trennung. Andererseits drängte der obere Gemeindeteil auf den baldigen Vollzug des Dekretes. Angesichts dieser Lage sistierte die Regierung zunächst ihre Vorarbeiten für den Vollzug und liess inzwischen durch den Direktor des Innern, nunmehr Augustin Keller, einen einlässlichen Bericht ausarbeiten, der am 10. August im Umfang von 22 Folioseiten vorlag. Am 24. September 1872 zog der grosse Rat den Schlussstrich unter diese Trennungsangelegenheit, nachdem Fürsprech Haberstich noch beantragt hatte, zu neuer Würdigung und Behandlung der ganzen Angelegenheit eine besondere Kommission zu bestellen, der Badener Fürsprech und Nationalrat Friedrich Josef Bürli dagegen für Nicht- eintreten auf eine neue Behandlung der bereits entschiedenen Sache [)lädiert hatte. Auf diesen Antrag fielen schliesslich 110, auf denjenigen Haberstichs nur 24 Stimmen. Damit war die Bözberger Gemeindetrennung nun wirklich endgültig beschlossen.

 

Das Gemeindewappen

 

 

In § 1 der Vollziehungsverordnung wurde festgesetzt: "Jede Gemeinde führt ihr eigenes Gemeindesiegel, welches sie mit Genehmigung des Regierungsrates selbst bestimmt." Daher sind wir, was bei den Gemeindewappen sonst selten der Fall ist, über den Zeitpunkt der Entstehung der Wappen beider Gemeinden Ober- und Unterbözberg genau unterrichtet.

 

 

Schon die Gesamtgemeinde Bözberg hatte mindestens seit 1811 ein Wappen geführt, nämlich auf geradem Boden einen Sechsberg (Boden rot, übrige Farben nicht feststellbar). Am 12. Dezember 1872 teilte der Gemeinderat von Oberbözberg der Regierung mit, dass das Siegel der Gemeinde "im Schilde eine Tanne und daneben ein Reh", ohne Farbenangabe, zeigen werde. Der Gemeinderat von Unterbözberg wählte am 18. Dezember für sein Gemeindesiegel mit dem Hinweis auf "die von vielen bewunderte Stelle bei der Wirtschaft 'Zu den vier Linden' die Darstellung der vier Lindenbäume mit einer daneben befindlichen Bank". Dieses heraldisch ganz unbefriedigende Wappen ist 1962 im Einvernehmen mit der Gemeinde durch das jetzige Wappen (in Grün weisser rechter Schrägbalken, begleitet von je zwei gelben Lindenblättern) ersetzt worden. Das Wappen von Oberbözberg hingegen konnte im wesentlichen beibehalten werden. Das Wappentier wird schon 1915 im Gemeindewappenbuch von Walther Merz als Hirsch bezeichnet. Die Kaffee-Hag-Wappenmarken zeigen für Oberbözberg in weissem Schild auf geradem grünem Boden neben grüner Tanne einen rückwärts schauenden braunen Hirsch. In dieser Form wurde das Wappen anlässlich der allgemeinen Bereinigung der aargauischen Gemeindewappen in den 1960er Jahren beibehalten, nur dass der Hirsch nun rot ist. Das Wappen mag wegen der ausgedehnten Waldungen im Gemeindebann so gewählt worden sein.

 

Das Dorf

 

Oberbözberg auf dem breiten, sonnigen Rücken des Bözberges war zusammen mit den Weilern Überthal, Riedacker, Adlisberg und Itelen bis zum Jahre 1872 ein Teil der weitverzweigten politischen Gemeinde Bözberg. Das Dorf selber ist ein sogenanntes Reihendorf, in welchem die Häuser alle in zwei Reihen beidseits der Dorfstrasse gebaut wurden, im Gegensatz zu den an Strassenkreuzungen und Bachübergängen liegenden Haufensiedlungen. Es kann angenommen werden, dass die ersten Häuser des Dorfes entlang eines Säumerweges, parallel zur alten Römerstrasse über den Bözberg, welcher über die Katzensteig - Oberbözberg - Remigen zum Aareübergang nach Stilli verlief, gebaut wurden. Wohnhäuser und Scheunen, einzeln oder manchmal sogar zwei bis drei solcher waren unter demselben Dach. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war etwa die Hälfte der Häuser mit Stroh bedeckt. Die weitausladenden, bis nahe an den Boden reichenden Dächer, die niedrigen, vielfach noch mit runden, in Blei gefassten Glasscheiben versehenen Fenster mit den davor blühenden Geranien gaben dem Dorf im Sommer ein freundliches Gepräge. Zur Winterzeit prangten zwischen den Aussen- und Innenfenstern, anstelle von Blumen, einfache Dekorationen von frischem Moos, Stechpalmenblättern und Hagenbuttenzweigen. Wohnungen und Ställe waren unter den Strohdächern im Winter warm und im Sommer kühl. Schornsteine (Kamine) gab es in den Strohhäusern nicht, und zwar aus feuerpolizeilichen Gründen. Der Rauch der Küche, in welcher auch der Backofen in der Wohnstube geheizt wurde, kräuselte vom Feuerherd hinauf in den Rauchfang (Chämihurd) zu Speck, Schinken und Würsten und durch die Küche hinaus durchs offene Fenster ins Freie. Die Wohnungen waren noch einfach und sehr primitiv eingerichtet. Man trat von aussen her direkt in die Küche und von dort in die Stube und zu den Schlafkammern. Im oberen Stockwerk, gleich unter dem Dach, meist ohne Tageslicht, waren die Vorratskammern und der sogenannte Schlafgaden für Knechte und Mägde und die grösseren Kinder. Der Gaden war nur durch eine schmale Treppe, eine Leiter oder gar durch die "Gadenlucke" über dem Ofen in der Wohnstube zugänglich. Vor den Häusern prangten schöne Bauerngärten mit Blumen und Gemüse als berechtigter Stolz der Frauen und vor den Scheunen war der vom Meister oder vom Knecht kunstgerecht aufgeschichtete Düngerstock (Mist), der dem Besitzer des Hauses Ehre machte. Bauer und Bäuerin gaben sich alle Mühe, ihr Haus, innen und aussen, in guter Ordnung zu halten, denn schon damals kannte man den Spruch: "Zeig mir deinen Garten und deinen Mist, dann weiss ich, wer du bist!"

Die Strasse durch das lange Dorf, wie auch die Verbindungswege zu den Nachbargemeinden waren zwecks Abfluss des Wassers noch mit Seiten- und Querrinnen versehen. Zur Aufrechterhaltung einer guten Fahrbahn musste im Spätherbst und im Frühjahr immer wie der Kies (Grien) aufgelegt werden. Die Strassen wurden durch einen Strassenwärter (Wegknecht) oder aber im Gemeindewerk in gutem Stand gehalten. Am Samstag, nach Feierabend, oder am frühen Sonntagmorgen, vor dem Kirchgang, wurden Hausplätze und Dorfstrasse sauber gewischt und um die Häuser Ordnung gemacht, was zur sonntäglichen Stimmung wesentlich beitrug.

Im Jahre 1912, genau 40 Jahre nachdem Oberbözberg eine selbständige politische Gemeinde geworden war und nachdem die Einwohner des Weilers Überthal bereits ihre Wasserversorgung hatten, wurde auch für das Dorf, als grosses Werk für die damalige Zeit, eine solche gebaut. Vorher waren die Dorfbewohner mit diesem so unentbehrlichen und köstlichen Nass nicht verwöhnt. Neben drei Brunnen im Ober- und Mitteldorf und in der Bächlen, die während des Sommers bei längerer Trockenheit nur wenig oder gar kein Wasser lieferten, waren ungefähr 10 private Sodbrunnen mit mehr oder weniger guter Wasserqualität und Ausgiebigkeit vorhanden. Oft musste das Wasser mit Fässern, Tansen (Bücki) oder Kesseln weit ab vom Dorf, im ÜIbach (Ölbech), im Lutisbach, in der Winkelmatt oder in der Schellenmatt geholt werden.

Bei jedem der drei Dorfbrunnen war ein Waschhaus, in welchem die Frauen im Turnus und nach genauem Zeitplan monatlich einmal ihre grosse Wäsche machen durften. Auch war bei jedem der drei Brunnen ein Feuerweiher, welcher durch Beauftragte überwacht und instand gehalten werden musste. Das Vieh wurde, solange es die Witterung und Kälte im Winter erlaubte, zum Dorfbrunnen zur Tränke geführt. Bei grosser Kälte musste das Wasser am Brunnen geholt und den Tieren im Stall verabreicht werden. Die Brunnen waren eine wichtige Sache. Es musste um dieselben peinliche Ordnung gehalten werden. Die sogenannte "Brunnenschoreten" (Kot der Tiere) wurde periodisch an Meistbietende versteigert, wobei der Ersteigerer auch das Reinigen der Brunnentröge zu besorgen hatte. Wie aus Dorfprotokollen der damaligen Zeit hervorgeht, mussten die Brunnen, der Nachtwächter, der Schulwischer und Ofenheizer, wie aber auch die Überwachung Jugendlicher, eine besonders wichtige Rolle gespielt haben. Das nachfolgende Protokoll gibt darüber einigen Aufschluss:

 

Gemeindhaltung vom 4. Jenner vom Jahr 1833

Verhandlungen

 

  1. Einstimmig: Johannes Siegrist für der alte Lohn, zum Wächter und Heizer in dem Schulhause, auf Gutverhalten für ein Jahr bestätigt.

  2. Das Brunnengeld für das Jahr 1832 zu verlegen ist eine Comission bestimmt, in welcher sind: Rudolf Siegrist, Gemeinderat, Jakob Siegrist, als Seckelmeister, und Johannes Brändli.

  3. Dem Jakob Egg von der Brunnenschoreten vom Jahr 1832 geschenkt Bz. 13, musste noch zahlen Bazen 30.

  4. Mit Mehrheit angenommen: Wenn ein Bürger entdeckt und angetroffen werde, des Jörgen Söhne über eine halbe Stunde in seinem Hause aufzuhalten, der soll mit einer Busse von Frkn. 2 belegt werden.

  5. Dem Jakob Egg, die Schoreten beim oberen Brunnen verkauf um Bz. 44.

  6. Dem Rudolf Siegrist, Gemeinderat, die Schoreten beim mittleren Brunnen verkauft um Bz. 70.

  7. Des Geörg Kohlers die Schoreten beim Bächler Brunnen verkauft um Bz. 57.

  8. Ein neuen Brunnentrog im Oberdorf und einen in der Bächlen zu machen, solle einer Minderheitssteigerung überlassen werden.

Die Verhandlungen geschlossen:
Der Ammann: Der Schreiber:
Fehlber. Suter.

 

Dass zu jener Zeit der mit Stroh bedeckten Häuser und Scheunen die Feuergefahr besonders gross war, geht aus verschiedenen Gemeindeprotokollen recht deutlich hervor. Immer wieder wurde die Einwohnerschaft darauf hingewiesen und dringend ersucht, die nötige Vorsicht walten zu lassen. Der Feuerschauer war nach strengem Reglement verpflichtet, alle Feuerstellen, Kochherde, Back- und Heizöfen, ja sogar die Ampeln und Laternen in Haus und Stall, periodisch zu kontrollieren. Er war eine Respektsperson, und er machte sich zur Ehre, seine Pflicht peinlich und gewissenhaft im Interesse der gesamten Dorfgemeinschaft zu erfüllen. Durch diese gewissenhaften feuerpolizeilichen Massnahmen konnten zu jener Zeit durch Unvorsichtigkeit verursachte Brandausbrüche weitgehend verhindert werden. Der Selbstentzündung der Heustöcke wurde damals noch vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt, durch Einbringung von nur ganz gut gedörrtem Heu und Emd. Das "Schöcheln" war für jeden gewissenhaften Dorfbewohner eine absolute Selbstverständlichkeit. Dennoch waren Brandkatastrophen keine Seltenheit. So lesen wir im Protokoll der Gemeindeversammlung vom 9. Heumonat 1843 folgendes: "1. Da es schon zum zweiten mal in diesem Jahr in das Haus des Friedrich Heiz, Schneider, Feuer eingelegt wurde, das erst mal der Brand wirklich ausgebrochen, jedoch glücklicherweise im entstehen gelöscht worden; das zweite mal das Feuer aber nicht zum Ausbruch kam und es ferner auch wahrscheinlich ist, dass der am 7. Brachmonat abhin entstandene Brand, welcher das Haus des Heinrich Stöckli, Schneider, zerstörte, ebenfalls absichtlich gestiftet wurde: Da 

 

 

Fotoaufnahme Mitteldorf 38 (Datum unbekannt)

 

in der über diese Brandstiftung amtlich geführten Untersuchung wegen Mangel an Indicien kein Thäter ausgemittelt werden konnte, und da man auch weder durch ausserordentliche Polizeimassnahmen, noch durch die angestrengte Aufmerksamkeit der Bewohner jener Häuser, demselben auf die Spur gekommen ist, so hat die Bürgerschaft Ober-Bözberg, um jedermann zur möglichen Wachsamkeit und Aufmerksamkeit zu ermuntern, und dadurch ferneres Unglück abzuwenden, beschlossen: - Derjenigen Person einhundert Schweizerfranken zu geben, welche den Brandstifter ausfindig macht, und dem Gemeinderat anzeigt, oder doch wenigstens solche Umstände und Tatsachen angibt, die zur Entdeckung des Verbrechers führen.


2. Alle diejenigen Personen welche in der Nacht von 11 Uhr bis zum Morgen, als zum Anbruch des Tages, von Beamteten oder Polizeidienern ohne hinreichend gründliche Entschuldigung angetroffen werden, sollen den Behörden verzeigt und zur Verantwortung und Strafe gezogen werden."

 

 

Bächlenstrasse um ca. 1972

 

Schon im früheren 19. Jahrhundert wurde damit begonnen, die schadhaften Strohdächer stückweise oder dann, durch Unterstützung des Staates, gänzlich mit Ziegeln zu decken. Diese Umstellung gab dem alten, ehrwürdigen Dorfbild bald einen anderen Charakter. Das Ziegeldach machte jedoch der Kosten wegen und weil besonders auch bauliche Veränderungen und Verbesserungen mit der neuen Bedachung verbunden waren, relativ langsame Fortschritte. Ältere Leute waren damals noch allem Neuen gegenüber misstrauisch und wollten zuerst die Erfahrungen der Nachbarn abwarten. Man zählte im Dorf Oberbözberg um das Jahr 1900, nach eigener Beobachtung des Verfassers, noch zehn mehr oder weniger guterhaltene alte, mit Stroh bedeckte Bauernhäuser. Heute stehen im Kanton Aargau nur noch sehr wenige solcher zum Teil unter Denkmalschutz.

 

Fremde waren damals im Dorf selten zu sehen. Neben vereinzelten Touristen welche den Bözberg wegen seiner schönen Lage und Aussicht gerne aufsuchten, sah man gelegentlich einen "Husierer", den Scherenschleifer, den Chacheliflicker, den Lumpensammler aus Hornussen, welcher Küchengeschirr gegen Lumpen und Altpaper austauschte, den Hühnermann (Italiener), der junge Hühner verkaufte. Endlich, als gern gesehene, unterhaltsame alte Bekannte, das Schwarzwälderfraueli, welches selbstgesammelte Kräuter und Beeren verkaufte.

 

Die Postsachen (Briefe, Zeitungen und Pakete) für Unter- und Oberbözberg, Gallenkirch und Linn wurden von der Poststelle Stalden in Brugg abgeholt, und zwar damals noch mit einem alten Kinderwagen. Der Posthalter von Oberbözberg musste die Post auf dem Stalden abholen. Ab 1910 fuhr dann die erste einspännige Postkutsche täglich zweimal bis Stalden, und elf Jahre später das Postauto, ab 1937 sogar zweimal bis Oberbözberg und heute achtmal nach Brugg und zurück. Zum Postkreis Oberbözberg gehörten, wie heute noch, das Dorf und die Weiler Riedacker, Adlisberg, Itelen und die im Gemeindebann Unterbözberg liegenden Weiler Egenwil und Kirchbözberg. Das Überthal wurde von der Poststelle Mönthal bedient.

 

Kirchgenössig war das Dorf und alle die genannten Weiler und Gehöfte in Kirchbözberg. Die Pfarrherren waren genötigt, zur Aufbesserung ihres bescheidenen Einkommens, mit ihrer Familie einen kleinen Bauernbetrieb (das sogenannte Pfarrgut) zu bebauen und eine Kuh und Kleintiere zu halten.


Mein Dorf


Auf lichter Höhe, waldumsäumt,

träumt still mein kleines Dorf.

Wo Schornsteinrauch zum Himmel steigt,

wo Friede ist und Weltlärm schweigt,

dort liegt mein Heimatdorf.

Es braust kein wilder Sturm, kein Lärm

durchs stille Dorf dahin.

Von Autorummel keine Spur!

Der Zauber stiller Ruhe nur

entzückt mir Herz und Sinn.

Drum strebt die Sehnsucht stets nach dir,

mein liebes, stilles Dorf.

Der Jugend Zauber für und für

ruht auch im Alter noch in dir,

mein liebes Heimatdorf.

 

Die Menschen

 

 

 

des Dorfes hatten in früherer Zeit wie noch heute, ihre eigene Art, je nach Umgebung, Erziehung, Arbeit und Beeinflussung durch die Natur. Wie aus ältesten Aufzeichnungen hervorgeht, waren die alten Oberbözberger ruhig, nachdenklich und naturverbunden, gezeichnet vom kargen Erdboden, der stillen Umgebung ihrer heimatlichen Fluren. Da viele Eltern mit dem Wenigen, das sie dem Boden mit Karst und Hacke abringen konnten, oft eine grosse Kinderschar durchbringen mussten, wurden die Kinder, der Not gehorchend, zur Einfachheit und Sparsamkeit, von frühester Jugend her, erzogen. Schon die Jüngsten mussten bei der Feld- und Hausarbeit tüchtig mithelfen. Um Schuhwerk zu sparen, gingen die Kinder barfuss zur Schule und auch auf das Feld, was während der Getreideernte auf den Stoppelfeldern beim Ährensammeln keine wohltuende Sache war. Im Spätherbst erst, bei einbrechender Kälte, wurden die Schuhe wieder hervorgeholt. Zusätzlichen Verdienst aus Gewerbe und Industrie gab es zur damaligen Zeit noch nicht oder nur sehr selten. Die Jungen waren auf Verdienstmöglichkeiten als Knechte, Mägde oder Taglöhner (Tauner) angewiesen. Ihre Verheiratung und ihr Fortkommen boten grosse Probleme. Durch Aufteilung der Landparzellen an die erwachsenen Kinder wurden die Äcker und Wiesen und damit die einzelnen Bauernbetriebe immer kleiner und letztlich so gering, dass die Ernährung einer grösseren Familie kaum mehr möglich war. Dies war dann auch der Grund, warum viele tüchtige junge Leute in näherer und weiterer Umgebung in anderen Ortschaften mit grösseren Bauernbetrieben oder mit Industrie und Gewerbe Arbeit annahmen. Viele reisten über die Grenzen des Aargaus nach dem Baselbiet, den Kantonen Zürich, Bern usw. Andere wieder suchten und fanden zum Teil ihr Auskommen im Ausland, namentlich in Deutschland, Österreich und Frankreich, und wieder andere verreisten, aus eigenem Antrieb oder durch Beiträge der Gemeinde an die Reisekosten dazu ermuntert, nach Amerika oder andere Überseeländer. Von einigen dieser Ausgewanderten hat man anfangs noch Nachricht erhalten, später aber nichts mehr von ihnen gehört. Man weiss nur, dass es dieser oder jener mit Anpassungsfähigkeit, Intelligenz und Fleiss im fremden Lande zu etwas gebracht hat, andere aber erfolglos geblieben sind. Wir lesen im Protokoll der Dorfversammlung von Oberbözberg vom 2. Jenner 1863 folgendes:


"Mit Einhelligheit wurde beschlossen, es soll der Gemeindebehörde überlassen sein, den Hans Ulrich Senn nach Amerika zu spedieren, wenn die Auswanderungskosten für denselben die Summe von Fr. 185.- nicht übersteigen."

 

An solche Überseeauswanderungen, dann aber auch an die Verheiratung von Töchtern mit auswärts beheimateten Männern wurden in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Gemeindebeiträge geleistet. So lesen wir im Protokoll der Gemeindeversammlung vom 4. Herbstmonat 1863 folgendes:

 

"Mit Mehrheit angenommen, dass der Gemeinderat der Tochter der Witwe Scheibli, Schreiners sel., wohnhaft im Kanton Zürich, um Hochzeit machen zu können, nach vollzogener Kopulation Fr. 200.- bezahlen dürfe."


Ferner

 

"Einstimmig wurde der Gemeinderat ermächtigt, der Tochter des Daniel Suter, alt Gemeindeschreibers von Bözberg, sässhaft in Brugg Fr. 30.- verabfolgen zu lassen, wenn dieselbe Hochzeit machen könne."


Alle jene, welche am häuslichen Herd, auf heimatlicher Scholle, ihr bescheidenes Auskommen fanden, blieben in ihren einfachen Verhältnissen glücklich und zufrieden. Erst zu Anfang des laufenden Jahrhunderts wurde im Dorf Oberbözberg im Hause des nachmaligen Gemeindeschreibers Siegrist, beim oberen Brunnen, das öffentliche Telefon eingerichtet. Vom Radio erfuhr man erst in den zwanziger Jahren, und Fernseheinrichtungen hielten etwa 40 Jahre später ganz vereinzelt im Dorf Einzug. Arzt und Tierarzt, von denen es um 1900 in Brugg nur je einen gab, kamen noch auf Schusters Rappen ins Dorf. Das erste Fahrrad präsentierte eine aus dem Welschland heimgekehrte Tochter des damaligen Lehrers Frei in Egenwil. Es war noch das Hochrad mit Vollgummireifen, eine grosse Sensation für die Einwohner, welche in Scharen zur Besichtigung herbeiströmten. Landwirtschaftliche Maschinen gab es neben dem Pflug und der Egge noch nicht. Die erste Mähmaschine mit Pferdezug, manchmal waren es auch Ochsen oder Kühe, welche dieselbe ziehen mussten, kam im Jahre 1902 ins Dorf. Später kamen Heuwender und Rechen mit Pferdezug. Das Getreide wurde lange noch mit dem Flegel gedroschen. Dann kam die Handdreschmaschine und nachher der "Göppel", welcher von Pferden oder Vieh auf dem Hausplatz im Kreise gedreht wurde; Motormaschinen kamen erst, nachdem im Jahre 1912 die elektrische Kraft im Dorfe installiert war.

 

 

 

 

Liegenschaft Bächle 31

 

Das Leben der Menschen war schlicht und einfach. Die Buben trugen bis kurz vor Schuleintritt noch den Rock; man konnte sie auf dem Spielplatz kaum von den Mädchen unterscheiden. Zu klein gewordene Röcke wurden oft von der Mutter einem jüngeren Brüderchen oder sogar einem Schwesterchen angezogen. Die Arbeit der Menschen war streng und hart, aber ruhig und gelassen. Man fand noch Zeit, sich gegenseitig zu grüssen und einige Worte miteinander zu wechseln. Gutes Einvernehmen mit den Nachbarn war oberstes Gebot. Wenn es einmal aus Irrtum oder andern Gründen nicht mehr recht stimmen wollte, so bot man sich gegenseitig Hilfe an, wo es immer nötig sein konnte. Ja sogar das gegenseitige Anbieten einer Prise aus der Schnupftabakdose oder einer Pfeife Rauchtabak konnte zum gegenseitigen guten Verhältnis der Dorfbewohner beitragen. Am Sonntag machten die Eltern nach dem Kirchgang, welcher damals noch für mindestens ein Familienglied eine Selbstverständlichkeit war, mit den Kindern einen Familienspaziergang durch Feld und Wald.

 

Das Essen war recht einfach, aber gesund und kräftig. Wenn auch in manchem Hause gespart werden musste, so konnte trotzdem nicht von Hunger gesprochen werden. Zum "Zmorge" gab's Hafermus oder Kartoffelrösti (Bräusi) und Kaffee, in vielen Haushaltungen mit Ziegenmilch. Die Kuhmilch wurde entrahmt, verbuttert und die Butter wurde in die Stadt getragen. Zum "Zmittag" dampfte auf dem Familientisch gewöhnlich eine kräftige Kartoffel- oder Gemüsesuppe, geschwellte Kartoffeln und Salat und zum "Znacht" Kaffee und wiederum "Rösti" aus gemeinsamer Schüssel oder "Geschwellte" mit Salz und Pfeffer oder Salat. Die Hauptmahlzeiten waren aber das "Znüni" und das "Zobig". Hier reichte es neben "chüschtigem" selbstgebackenem Brot und etwas Most oder selbstgemachtem Wein zu einem kleinen Stück Speck oder Magerkäse.

So war es um die Zeit der letzten Jahrhundertwende. In der Zwischenzeit ist recht vieles in unserem Dorf anders, besser und schöner geworden. Die moderne Technik mit ihren grossen Errungenschaften hat Einzug gehalten und auch bei uns enorme Formen angenommen. Die Menschen haben sich an die neuen Verhältnisse gewöhnt. Die Maschinen und Motore, das laufende Wasser in Küche und Stall und das elektrische Licht und die Kraft sind heute nicht mehr wegzudenken. Alles Neue wird immer wieder von noch Besserem überboten. Vieles, was von älteren Leuten heute bestaunt und bewundert wird, ist für die Jungen eine Selbstverständlichkeit. Es ist ein ewiges Kommen und Vergehen. - Wenn vor 100 Jahren der Jakob und die Emma ihre Hochzeitsreise nach der Trauung in der Kirche Bözberg, mit einem Stück Brot und einer "Chämiwurst" in der Tasche, nach der Habsburg machten und abends zum Viehfüttern und Melken wieder zu Hause waren, so reisen heute ihre Ururenkel nach feudaler Hochzeitsfeier im Flugzeug nach dem Mittelmeer oder gar nach New York oder Tokio und landen nach vier Wochen erst, per Helikopter oder Fallschirm, auf dem heimatlichen Schulhausplatz. Das "Freveln", welchen Begriff wir heute kaum mehr kennen, war vor 100 Jahren aus Not und Armut noch an der Tagesordnung. Der Förster, der Bannwart, der Feldhüter und der Nachtwächter hatten alle Hände voll zu tun. Ihre Pflichten waren in Reglementen umschrieben, und die "Frevler" mussten angezeigt und gebüsst werden. Wir zitieren aus der "Forstfrevel-Kontrolle" der Gemeinde Bözberg aus dem Jahr 1861 nur zwei von vielen Dutzend Fällen:

 

a) "Der Kostknab des Johannes Heiz, ab Bözberg, im Homberg am 11. April 1861, eine Reiswelle ab einem Haufen genommen, Schaden 20 Cts., mit Gefangenschaft bestraft."
b) "Sohn der Frau Keller Schuhmacher, ab Bözberg, in der Leimgrub am 21. April 1861dürres Holz gesammelt. Schaden 50 Cts., nach § 124 des Forstgesetzes abgewandelt."

 

Aus diesen Aufzeichnungen geht deutlich hervor, wie Arme und Bedürftige damals ihr Leben fristen mussten; was wir heute im Zeitalter des Überflusses, wo haufenweise dürres Holz in den Wäldern herumliegt, kaum glauben können.

Zur Auflockerung unserer Dorfgeschichte und zur Illustrierung des früheren Verkehrs auf der Bözbergstrasse sei dem Verfasser gestattet, die nachfolgende Erinnerung aus seiner Jugendzeit zu erzählen: "Es war um die Jahrhundertwende, also vor ungefähr 70 Jahren, als drei kleine Lausbuben jeden Sonntag, wenn sie nicht von den Eltern zu einem Spaziergang befohlen wurden, nach Süden ausflogen. Ihr Ziel war die Pass-Strasse, der ,Sindelstich' unterhalb Vierlinden. Dort begaben sie sich in Deckung und warteten auf ein Auto (Dampfkutsche, wie sie zu sagen pflegten). Wenn sie Glück hatten, so sahen sie im Zeitraum von 2 bis 3 Stunden ein solches Vehikel von Brugg herankommen. Die Strasse war noch weniger gut ausgebaut als heute und manchmal sehr holperig oder teilweise frisch mit Kies belegt, und der Motor hatte noch eine geringere Pferdestärke. Die ,Dampf kutschen' mussten beim ,Sindelstich' anhalten und die Passagiere aussteigen lassen, um den Wagen bis zum Gasthaus ,Vierlinden' stossen zu helfen. Jetzt krochen die drei Lausbuben von Oberbözberg aus ihrem Versteck hervor und halfen. Bei den Vierlinden angelangt, gab es dann von einer Dame einen Händedruck oder ein ,Stricheli' über den ungekämmten Strubelkopf und wenn man Glück hatte, sogar einen Bazen. Abends, frisch und munter, wieder zuhause angelangt, erzählte man im Dorf, dass man während drei Stunden nicht nur eine, sondern zwei Dampfkutschen gesehen habe, welche Nachricht wie ein Lauffeuer die Runde machte. Der Bazen, es war gewöhnlich ein 10- oder, wenn's gut ging, ein 20-Rappen-Stück, wurde selbstverständlich ins Kässeli gelegt." - Wie ist es heute?

Über die Gemeindeteilung im Jahre 1872 orientieren die Angaben in einem früheren Abschnitt, wie sie den Eintragungen im Staatsarchiv entnommen sind.

Die Teilungsverhandlungen waren von sehr langer Dauer. Der Entscheid der Regierung fiel erst im Jahre 1872. Seit diesem Jahr, seit 100 Jahren also, ist Oberbözberg, zusammen mit Überthal, Riedacker, Adlisberg und Itelen eine eigene politische Gemeinde. Diese hatte damals etwas über 300 Einwohner. Als erster Gemeindeammann zeichnete J. Fehlmann, aus Überthal, und als erster Gemeindeschreiber A. Zimmermann, aus Oberbözberg. Infolge der Teilung mussten auf regierungsrätliche Anweisung die Grenzen der beiden geteilten Gemeinden festgelegt werden. Die öffentlichen Anlagen, wie Schulhäuser, laufende Brunnen, Feuerwehreinrichtungen usw., mussten von beiden Gemeinden geteilt und übernommen werden. Auch musste auf Verlangen der Oberbehörde im Schulhaus Oberbözberg ein neues Gemeindearchiv erstellt werden. Entsprechend der Teilung wurden die verschiedenen Gemeinderechnungen, Polizeikasse, Waldkasse, Schulgutskasse, Armengutsverwaltung usw. getrennt und von beiden Gemeinden neu verwaltet. Dies alles war eine immense Arbeit und grosse Verantwortung für die Männer, welche damals an der Spitze der neuen, selbständigen Gemeinde standen. Die heutige Generation ist ihnen dafür verdienten Dank schuldig.


Als Gemeindeammänner und Gemeindeschreiber amteten seit 1872 folgende

 

Gemeindeammänner:

Gemeindeschreiber:

J. Fehlmann von 1872 bis 1881 

A. Zimmermann von 1872 bis 1908

J. J. Siegrist von 1881 bis 1890

J. Siegrist von 1908 his 1942

Joh. Müller von 1890 bis 1898 

W. Müller von 1942 bis 1947

A. Fehlmann von 1898 bis 1917

H. Werder von 1947 bis 1974

J. Brändli von 1917 bis 1942

Erwin Wernli seit 1974

J. Keller von 1942 bis 1964

 

J. Brändli jun. 1965 - 1981

 

E. Muntwiler 1982 - 1985

 

H.U. Fehlmann von 1986 - 2001

 

Bruno Müller von 2002 - 2005

Rudolf Wälti 2006 -

 


Das gegenseitige Verhältnis zwischen den Einwohnern der getrennten Gemeinden war von Anfang an ein recht gutes. Man traf sich beim Besuch der Kirche, der Bürgerschule und später in der Sekundarschule ferner aber auch an Jahrmärkten und im Wirtshaus. Jugendfeste und Augustfeiern wurden sogar gelegentlich gemeinsam abgehalten, und die Vereine rekrutierten sich von jeher und immer, wie noch heute, aus Mitgliedern beider Gemeinden. Wenn diese auch seit 1872 politisch getrennt marschieren, so ist doch das Band, welches die Menschen als Bözberger immer umschloss, erhalten geblieben.

Nachstehend die Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Bözberg vom Jahr 1850 bis 1870 und der nachher geteilten Gemeinden Unter- und Oberbözberg vom Jahre 1880 bis heute auf Grund der Volkszählungsergebnisse:

 

 

Jahr Bözberg Unterbözberg Oberbözberg Total

1850 

1060

 

 

1060

1860

926

 

 

926

1870

904

 

 

904

1880

 

505

336

841

1888

 

440

312

752

1900

 

410

283

693

1910

 

436

250

686

1920

 

418

262

680

1930

 

416 

272 

688

1941

 

430

271 

701

1950  

 

492 

264 

756

1960

 

542

 294

836

1970

 

588 

302

890

1980

 

587

297

884

1990

 

657

375

1032

1991

 

664

415

1079

1992   650 425 1075
1993   665 437 1102
1994   687 455 1142
1995   741 481 1222
1996   746 488 1234
1997   744 522 1266
1998   744 528 1272
1999   758 542 1300
2000   754 551 1305
2001   737 531 1268
2002   715 532 1247
2003   712 537 1249
2004   711 520 1231
2005   703 520 1223
2006   703 509 1212
2007   722 505 1227
2008   725 480 1205
2009   743 500 1243
2010     507  

 

 

Wir sehen daraus, dass die Einwohnerzahl der beiden Gemeinden im Jahr 1970 um 170 kleiner war als 120 Jahre zuvor im Jahre 1850. Die Statistik gibt ferner auch darüber Aufschluss, dass die Bevölkerung gegen die Jahrhundertwende und während der ersten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts stark zurückging, seit dem Jahre 1950 jedoch langsam wieder angestiegen ist. Es trifft dies namentlich bei der stadtnäheren Gemeinde Unterbözberg zu. Industrie und Gewerbe und besonders die besseren Strassen und gute Verbindungsmittel haben aber dazu beigetragen, dass auch die Einwohnerzahl der Gemeinde Oberbözberg zugenommen hat.

 

Das Leben

 

Nimm das Leben wie es ist,

immerfort mit edler Würde!

Wenn du einmal müde bist

unter deines Alters Bürde,

nütze noch die letzte Frist!

 

Sei zufrieden, klage nicht!

Immerfort sei fröhlich, frei!

Und ein freundliches Gesicht

immer dir gegeben sei,

bis der Tod dein Auge bricht.

 

Lass dem Leben seinen Lauf,

bleibe zuversichtlich, still!

Gebe nie die Hoffnung auf,

nimm die Sorgen in den Kauf,

füge dich, wie Gott es will!

 

Die Familiennamen

 

Die Geschlechtsnamen der Einwohner sind nicht von ungefähr entstanden, denn sie haben ihre Bedeutung. Viele davon erscheinen uns rätselhaft, aber sie geben den Menschen Begleitung durch das Leben. Ursprünglich wechselten die Namen vom Vater auf den Sohn, wie noch heute die Vornamen. Um die Menschen mit gleichen Geschlechtsnamen unterscheiden zu können, mussten Beinamen zugegeben werden. Auch diese gingen auf die Nachkommen über und blieben für alle Zeiten auf dem ganzen Geschlecht haften. Sie mögen in der zweiten Hälfte des Mittelalters fest geworden sein.

Viele Geschlechtsnamen stammen von Berufen her. Andere vom Boden und dessen Gestaltung und wieder andere von Vornamen oder früheren Dorfbeinamen. Wie aus den ältesten Unterlagen entnommen werden kann, sind es in Oberbözberg folgende Familiennamen:

 

  Vermutlich abgeleitet von:
Siegrist Kirchensigrist
Zimmermann Zimmereigewerbe
Brändli Brennereigewerbe oder Rodungsarbeit
Müller Müllereigewerbe
Felber ursprünglich Fehlbar, dann Fehlber
Keller Verwalter des Kelleramts
Fehlmann ursprünglich Fellmann oder Feldmann
Stöckli Stocken (Waldroden)
Dambach eingedämmter Bach (Mühlebach)
Kohler Kohlenbrenner
Meier Inhaber des Meierhofs
Heiz vom Vornamen Heinz (Heinrich)
 
In neuerer Zeit zugezogene Familien bis 1970:
Ott von Auenstein
Brack von Mönthal
Hunziker vom Ruedertal
Frei von Auenstein
Merz vom Seetal
Erismann von Gallenkirch
Deubelbeiss von Veltheim
Vogt von Remigen
Wernli  von Thalheim
Birrfelder von Mönthal
Baumann von Villigen
Weibel von Effingen
Hess vom Kanton Bern
Gfeller vom Kanton Bern
Haldemann vom Kanton Bern
Flückiger vom Kanton Bern
Schaffer vom Kanton Bern

 

 

Die Flurnamen


Vor der Durchführung der Gesamtgüterregulierung der Gemeinde Oberbözberg im Jahre 1944 war das Kulturland der einzelnen Bauern ausserordentlich zerstückelt und über den ganzen Gemeindebann verstreut. Die grösseren Bauernbetriebe von 6 bis 10 Hektaren Fläche  zählten 30 bis 40 verschiedene kleinere und grössere Parzellen. Dadurch gestaltete sich die Bebauung und Nutzung des Bodens sehr mühsam und zeitraubend. Den damals neu auf dem Markt erscheinenden, modernen landwirtschaftlichen Maschinen waren enge Grenzen gesetzt. Vor der Güterzusammenlegung hatte beinahe jedes kleine Äckerlein und jede Wiese ihren eigenen Namen. Wir zitieren nur einige davon, welche bis heute erhalten geblieben sind, in nachfolgender Zusammenstellung:

 

Lokalname Vermutlich abgeleitet von
Eichholz teilweise gerodetem Eichenwald
Leimgrube Gegend, wo Lehm gegraben wurde für den Hafner und zur Herstellung von Küchen- und Tennböden
Hühnerbüehl Hügel (Büel) mit Hühnerhof und Weide
Schabägerten Ödland mit spärlichem Graswuchs und Disteln
Schällenmatt ursprünglich Schwellenmatt
Wüestli sumpfige Wiesen mit Dornbüschen und Hecken
Pfaffenmatt Aussichtspunkt bei der Turnerlinde nördlich des Dorfes, wo sich nach alter Überlieferung die Pfarrherren von Bözberg, Mönthal und Remigen zum Stelldichein getroffen haben sollen.

Eher der Pfarrkirche gehörende Matte

Wolfgrube Anhöhe nördlich vom Dorf, wo nach Volksmund früher erlegte Wölfe vergraben oder in Fallgruben gefangen wurden
Ueberthal über dem Tal
Enzacher (Erzacher) Gelände zwischen Uelbach und Adlisberg, wo früher Eisenerz gegraben wurde
Fürplatte (Kohlplatz) Ort, wo in früherer Zeit im Meilerofen noch Holzkohle gebrannt wurde
Ölbach (Ülbach) früher vermutlich "Chüelbach"
Riedacker Acker mit Riedgrasbestand
Heidenäcker Äcker, in denen römische Überreste gefunden wurden
Lutisbach lauterer Bach
Bachteln gegen den Bach abfallendes Gelände
Geissboden Ziegenweide
Stockacher gerodeter (gestockter) Wald
Rebenrain mit Weinreben bepflanzter Südhang
Jufenäcker lange, fruchtbare Äcker und Wiesen


Neben diesen wenigen gab es über hundert andere Bezeichnungen von einzelnen Grundstücken, welche nach der Güterregulierung langsam zurückgeblieben sind. Es sind nur noch die älteren Dorfbewohner, die sich an alle erinnern. Bald aber werden auch die letzten, mit viel Mühe, Arbeit und Fleiss, aber auch mit etwas Wehmut verbundenen Namen der vielen Wiesen und Äcker vergessen sein.

Mein Äckerlein

Du warst einmal gar ödes Land

mit Dornen, Disteln, Steinen.

Ein garstig ungepflegtes Pfand,

und Nutzen gabst du keinen.

Mein Vater tat mit Bauernfleiss

dann liebevoll dich roden.

Dann gabst du ihm verdienten Preis

aus kargem Heimatboden.

Und heute, liebes Äckerlein,

am stillen Rain gelegen,

darf ich von Herzen dankbar sein

 für deinen reichen Segen!


Handwerk und Gewerbe

 

In unserem Dorf gab es vor 100 und mehr Jahren noch eine ganze Anzahl tüchtiger Handwerker, deren Tätigkeit unseren Jungen zum Teil nur noch der Bezeichnung nach bekannt ist.

Als einen der interessantesten nennen wir den Dorfschmied. Bei ihm stand man beim Vorübergehen gerne einen Augenblick still und tat einen kurzen Blick in seine Werkstatt. Gerne lauschte man auf dem Feld nach dem vertrauten Klang von Hammer und Ambos, der einem in der Ferne ans heimatliche Dorf erinnerte. Das Beschlagen der Hufe von Pferden war ein besonderes Schauspiel. Aber auch das Aufziehen von glühenden Reifen auf die Wagenräder und das nachherige rasche Abkühlen im nahen Feuerweiher. Der Wagner machte nicht nur "Grasbären" (Einradkarren), Leitern und Gestelle, sondern mit besonderem Stolz auch neue Wagen für die Bauern. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man den Bauhandwerkern, dem Maurer, dem Zimmermann und dem Dachdecker, welch letzterem die Schulkinder oft beim Zubringen von Stroh und später von Ziegeln, auf die hohen Dächer, behilflich waren. Der Schneider- und der Schuhmacherberuf waren im Dorf gut vertreten. Diese beiden Handwerker arbeiteten entweder in der eigenen Werkstatt oder gingen zu den Kunden im Dorf oder auswärts auf die "Stör". Der Schreiner war gut beschäftigt, und der Hafner hatte durchs ganze Jahr hindurch zu tun. Endlich sei auch der Korbmacher und Besenbinder, der Drechsler, der Rechenmacher und der Strumpfweber, welche hauptsächlich im Winter bei den Bauern beschäftigt waren, nicht vergessen. Alle diese Handwerksleute bewirtschafteten neben ihrem Beruf auch einen kleineren Landwirtschaftsbetrieb.

Gewerbetreibende gab es wenige. In einigen Stuben surrte das Spinnrad und es ratterte der Webstuhl. Das "Gewobene" (Tuchwelle) wurde damals noch auf dem Rücken zu Fuss über den Höhenweg (Linnberg - Buchmatt - Staffelegg) nach Aarau getragen. Der Überbringer, gewöhnlich ein jüngerer Bursche, hatte auf dem Rückweg wiederum ein Bündel Garn zur Verarbeitung zurückzunehmen. - Dann waren die alten Oberbözberger, namentlich während des Winters, auch mit Strohverarbeitung für die Strohindustrie beschäftigt. Ausgesuchte Strohhalme wurden gepresst und zu Streifen geflochten oder mit dem "Schnüerlirad" zu Schnürchen gedreht. Diese Arbeit, welche besonders von den Kindern und von älteren Leuten geleistet wurde, ergab eine bescheidene Aufbesserung der Lebenshaltungskosten.

Das Gastgewerbe hatte im Dorf Oberbözberg in früherer Zeit keine grosse Bedeutung. Die ältesten mir noch bekannten Leute erinnerten sich daran, dass im Hause des Metzgers Dambach, im Oberdorf, einmal eine Gastwirtschaft betrieben wurde. Daneben gab es sogenannte Eigengewächs- oder Buschwirtshäuser. Sie waren mit einem Stechpalmenbusch gekennzeichnet und durften nur solange offen gehalten werden, bis der selbstgepflanzte Wein verkauft war. Im Jahre 1921 sodann wurde zu Anlass des damaligen Bezirksturnfestes in Oberbözberg das Restaurant zum "Sternen" eröffnet. Es ist dies heute eine Gaststätte, die ihrer schönen Lage und der guten Küche wegen weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt ist.

 

 

Brot


Nebelschwaden, Ruch der Erde,
Acker braun und rot.
Junge Saat zur Ernte werde,
Ähren - Körner - Brot!

Über ferne Länder hin

geht des Hungers Not.

Das ist nicht nach deinem Sinn,

meid es, lieber Gott!

Schenke doch auf dieser Erden

allen Menschen Brot.

Lass den Segen nie ersterben,

lindere ihre Not!


 

Das Ausserdorf um die letzte Jahrhundertwende

 

 

 

Altes Haus mit Zinnengiebel ums Jahr 1910,

anstelle des heutigen Restaurants Sternen

 

 

 

Landgasthof Sternen

Aufnahmedatum unbekannt

 

 

 

Die Kirche


der Oberbözberger steht seit der Gemeindeteilung im Jahre 1872 auf dem Boden der Gemeinde Unterbözberg, ganz nahe der Gemeindegrenze. Wir entnehmen die nachfolgenden Sätze einem Vortrag von Herrn Pfarrer H. Huber vom Jahre 1947:
"Im ältesten Kirchenbuch steht auf dem ersten Blatt vor den Taufeinträgen (die mit 1558 beginnen) das erste Verzeichnis der reformierten Pfarrer. Seine feierliche Überschrift ist sozusagen der Taufschein unserer evangelisch-reformierten Kirchgemeinde. Er lautet aus dem Lateinischen übersetzt: ,Verzeichnis der Diener des Bözberges (gemeint sind die Diener des Wortes Gottes auf dem Bözberg) von der Zeit der Wiedergeburt an bis zum Jahre' .. . (soundso), diese Zahl ist unleserlich. Den Geburtsschein unserer evangelischen Gemeinde aber bildet das bedeutungsvolle griechische Wort mitten im lateinischen Text, nämlich Palingenesia (= Wiedergeburt), womit die Reformation doch wirklich fein bezeichnet ist. Wiedergeburt auch deshalb, weil ja schon vorher eine Gemeinde da war samt einem Priester.

Über diese Wandlung von einer katholischen zu einer reformierten Kirchgemeinde Bözberg gibt dann die Bemerkung zu Nummer 1 des Pfarrerverzeichnisses Auskunft: Nämlich, ,Huldricus Strauwmeier war Priester der hiesigen Kirche, aber in der Reformationszeit wurde er, nachdem er das Papsttum verlassen hatte, zum ersten Herold des Wortes Gottes gewählt'. Der letzte katholische Priester wurde also erster evangelischer Pfarrer. Diesem Letzten und Ersten wird es vor allem zu verdanken sein, dass auch die beiden prächtigen Messkelche gleichsam reformiert wurden und dem evangelischen Abendmahl heute noch dienen dürfen. Ulrich Strauwmeier hatte noch drei Jahre vorher, also 1525, dem Kloster Wittichen, welchem die Kirchenhoheit Bözberg zustand, versprochen, das Pfarramt zu versehen, dem Bischof von Basel die Steuern zu entrichten und im Falle einer Übergabe die Pfründe nur "in die Hand der Klosterfrauen" von Wittichen abzugeben. Aber es kam anders im Sturme jener Zeit. Das Kloster Wittichen, das etwa 100 Kilometer nördlich von hier im Schwarzwald ziemlich abgelegen ist, hatte schon 1515 die Stadt Bern gebeten, die Schutzmacht für seine beiden Gemeinden Bözberg und Rein zu übernehmen. Und jetzt übernahm eben das reformierte Bern auch den Schutz des neuentdeckten Evangeliums auf dem Bözberg, so dass Ulrich Strauwmeier von seinem Versprechen befreit wurde, als er im Jahre 1528 die Schlussreden, das heisst die Berner Reformationsartikel, unterschrieb. Im Jahre 1544 verzichtete dann das ferne Frauenkloster in aller Form auf die hiesigen reformierten Untertanen, indem es die Kirchensätze Bözberg und Rein an die Herren von Hallwil verkaufte. Nach Pfarrer Strauwmeier der noch von Waldshut stammte, amteten in der Folge in Kirchbözberg bis heute 23 Pfarrherren, von denen nicht weniger als 15 Brugger Bürger waren und bei fünfen  wenigstens die Bemerkung steht ,bisher Brugg'. Erst im Jahre 1817 wurde es dann möglich, dass auch ein Bözberger, nämlich der beliebte Johannes Siegrist das Pfarramt seiner Heimat übernehmen konnte.

 

 

Kirche 1972

 

 

Kirche 1995

 

Nicht zufällig blieb er auch hier von allen 24 Pfarrern (von Strauwmeier bis Huber) am längsten im hiesigen heimeligen Pfarrhaus, nämlich 35 Jahre lang. Er hat auch noch in der Pfarrscheune, wo jetzt drei steife Stahlrosse stehen, eine lebendige Kuh unterhalten. Jedenfalls gefiel es ihm besser als einem seiner Vorgänger, der die Einsamkeit von Kirchbözberg nicht ertrug, melancholisch wurde und schliesslich lieber Pfarr-Helfer in der Heimatstadt Brugg wurde.

Zur Kirchgemeinde gehören also die Bewohner des Bözberges. Der lateinische Name, von dem man Bözberg abzuleiten versuchte und der auch an verschiedenen Stellen des Kirchenbuches vorkommt, heisst 'mons vocetius'. Auf Deutsch bedeutet das soviel wie ,Berg Niederholz' oder ,Niederwald'. Wenn auch die Kirche nicht auf einer der aussichtsreichen Höhen steht, wie es der Name Kirchbözberg vermuten lassen könnte, so stund sie früher einmal ziemlich in der Mitte der ehemaligen noch kleineren Kirchgemeinde. (Linn gehörte in älterer Zeit noch zur Kirchgemeinde Bözen). Der Weiler Kirchbözberg war seiner Bedeutung nach wichtig für den ganzen Bözberg, hatte er doch eine grosse Mühle mit zwei, teilweise unterirdischen Wasserkanälen und erst noch eine ,Figgi', wie man früher die Ölmühlen nannte. Unmittelbar neben dem Pfarrhaus, angebaut an die frühere Siegristenwohnung, war ein kleineres strohbedecktes Schulhäuschen, das seither verschwunden ist.

 

Wenn viele Bözberger über das Abgelegensein ihrer Kirche seufzen und der Pfarrer ihnen entgegenseufzt über das Abgelegensein der Höfe von Leimli (westlich von Linn), Ithalen, ,Üblete', Riedacker, Adlisberg, Prophetengut und Spannagel, so lieben wir doch alle unser Kirchenhaus als Mittelpunkt unserer Gemeinde. Die gutgeratene Innenrenovation von 1937 hat fast ein wenig Stolz zur Liebe hinzu kommen lassen. Die Freunde der Heimatgeschichte haben damals mit Staunen erfahren, wie das Gotteshaus in etwa vier bis fünf Bauetappen von einer romanischen Kapelle aus der Zeit von 1200 zu einer geräumigen Kirche heranwuchs. Die Getreuen und Stillen im Lande, die etwas davon wissen, was Kirche im Wort Jesu Christi heisst, sind aber nicht allzu stolz über jenes äussere Wachstum, sondern nehmen die Stimme der Kirchenglocken in ihr Gewissen auf und oft einen weiten Weg unter die Füsse, um von dem zu hören, der die Worte auf der einen Glocke erstmals in die nahe und in die abgelegenste Menschheit hinausrief: ,Kommet her zu mir alle, betet und ihr werdet erhalten."

 

Ja, unsere liebe Kirche! - Sie steht immer noch am gleichen Ort wie zur Zeit der Reformation, etwa 10 Gehminuten vom Dorfzentrum Oberbözberg entfernt. Sie ist mustergültig renoviert, und die einstigen Vorsinger sind durch die Kirchenorgel abgelöst worden. Der heutige Pfarrer, auch wieder ein Brugger aus dem alten Bürgergeschlecht Fröhlich, ist mitten unter uns. Wir alle, die glauben, für die Kirche keine Zeit zu finden oder sich durch Massenmedien von ihr ablenken lassen, sind im Irrtum. Wir brauchen die Kirche zum Beten und zum stillen Nachdenken über das grosse Wunder der Natur, über unsere Mitmenschen und über uns selbst und um Gott unserem Schöpfer zu danken.


Der Bauern Hoffnung


Der Bauern Hoffnung, Mühe, Fleiss

geh'n Hand in Hand durchs lange Jahr.

Was man von seinem Acker weiss

ist stille Hoffnung - wunderbar.

Man schreitet über Zelgen hin,

streut Samen aus mit rauher Hand,

pflegt junge Saat nach bestem Sinn

und sieht nach ihrem Reifestand.

Am Sonntag nach der Kirche geht

der alte Bauer durch sein Land.

Beim reifen Korn er stille steht:

Die Ernte liegt in Gottes Hand.

 

Wasserversorgung und Feuerwehrwesen

 

Noch zu Anfang des laufenden Jahrhunderts war die Versorgung mit Trink-, Gebrauchs- und Löschwasser ungenügend. Neben drei öffentlichen laufenden Dorfbrunnen im Ober- und Mitteldorf und in der Bächlen gab es bei den Häusern einige Sodbrunnen, welche bei Trockenperioden wenig oder gar kein Wasser lieferten. Aus hygienischen Gründen konnte dasselbe nur selten als Trinkwasser verwendet werden. Dieser Mangel durfte aber auch aus feuerwehrtechnischen Gründen nicht länger anhalten. So entschloss man sich denn auch, nicht zuletzt auf Ansuchen des Aargauischen Versicherungsamtes, zur Planung einer Gemeindewasserversorgung mit Hydrantenanlage, wie eine solche schon einige Jahre früher im Weiler Überthal erstellt wurde. Für das Dorf selber war die Sache wegen seiner Höhenlage nicht so einfach. Das Wasser musste um den nötigen Druck zu erhalten zuerst in ein höher gelegenes Reservoir gepumpt werden. Dies aber konnte nur durch Zuführung von elektrischer Kraft und einem leistungsfähigen und zuverlässigen Motor erreicht werden. Diese Stromzuführung war denn auch der Grund dazu, dass man sich entschloss in Verbindung mit der neuen Wasserversorgung gleich auch die elektrische Hausbeleuchtung einzurichten. Die elektrische Strassenbeleuchtung kam aus Kostengründen erst einige Jahre später. So kamen die Oberbözberger im Jahre 1912 zu ihrer lang ersehnten Wasserversorgung mit Hydrantenanlage und dem elektrischen Strom. Sie durften auf dieses grosse Werk stolz sein, war die kleine abgelegene Gemeinde doch damals eine der ersten im Bezirk Brugg, welche neben der Wasserversorgung auch schon elektrisches Licht und Strom hatte. Wenn es für die Gemeinde und die einzelnen Steuerzahler auch eine grosse finanzielle Belastung war, so hätte doch niemand die alten Zustände wieder zurückgewünscht.

Die Wasserversorgung und die Stromzuführung zu den Häusern, ohne die Strassenbeleuchtung, kostete damals die ansehnliche Summe von Fr. 64 000.-. Nach Abzug des Staatsbeitrages blieben noch rund Fr. 54 000.-, welche durch erhöhte Steuern und durch angemessene Abonnementsgebühren für Wasser- und Strombezug amortisiert werden mussten. Das Wasser wurde im Üelbachtälchen gefasst und in das 200 m3 fassende Reservoir im Imbergmättli hinaufgepumpt. Von dieser etwas höher als die obersten Häuser des Dorfes liegenden Stelle aus erhielt das Wasser genügend Druck auch für den obersten Dorfteil. Die Erstellung eines weiteren grösseren Feuerweihers und die Anschaffung einer neuen modernen Feuerspritze und weitere Anschaffungen für die Feuerwehr konnten damit umgangen werden.

Das Dorf verfügte nämlich bis zum Jahre 1912 nur über eine wenig leistungsfähige Feuerspritze und bei Trockenheit über sehr wenig Löschwasser aus drei kleinen Feuerweihern und drei Brunnen.

 

 

Altes Haus im Oberdorf ums Jahr 1900 mit Aussentreppe und Sodbrunnen

 

Das Löschwasser musste, je nach Lage des Brandobjektes oder weil zu wenig Schläuche vorhanden waren, von Mann zu Mann, oder besser gesagt von Frau zu Frau, mit Feuereimern oder Kesseln über die sogenannte "Feuerwehrkette" zur Spritze befördert werden.


Die Dorffeuerwehr bestand damals aus dem

Feuerwehrkommandanten,

Stellvertreter,

Spritzenchef,

Hydrantenchef,

Rettungschef

und der nötigen Feuerwehrmannschaft von 40-50 Feuerwehrmännern.

 

An Feuerwehrmaterial war vorhanden:

die Feuerspritze als Zusatz zur Hydrantenanlage,

die Schlauchwagen

die Schläuche

die Feuerwehrleitern,

die Feuerhaken,

die "Rondelle" (eine grosse runde Laterne mit langer zugespitzter Stange),

ferner einige Feuerwehrlaternen und Sanitätsmaterial.

Feuerwehrübungen wurden jährlich 3 bis 4 abgehalten. Die Chargierten wurden unter Leitung des Aargauischen Versicherungsamtes in periodischen Kursen aus- und weitergebildet. An Inspektionen wurde die Arbeit der Feuerwehr gelegentlich kontrolliert, wobei ihre Leistungen nie, wohl aber die Geräte und Einrichtungen gelegentlich zu Beanstandungen Anlass gaben. Das letztere gilt hauptsächlich für die Zeit vor der Erstellung der Wasserversorgung.

 

 

Bözberger Feuerspritze. Sie wird heute im Heimatmuseum Brugg ausgestellt.


An grösseren Brandfällen sind im Laufe der letztvergangenen 70 Jahre die folgenden zu verzeichnen:

 

1903 Bauernhaus mit Scheune im Mitteldorf,

1909 Bauernhaus mit Scheune im Üelbach,

1010 Ökonomiegebäude in der Bächlen,

1911 Schmiede, Wagnerei und Wohnhaus mit Scheune im Oberdorf,

1966 Wohnhaus mit Scheune im Ithalen.


Strassen und Wege

 

Das Dorf Oberbözberg ist ziemlich weit vom grossen Verkehr abgelegen. Seine Strassen und Wege waren noch bis in die fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts mangelhaft. Die Dorfstrasse und die Ortsverbindungsstrassen waren holperig und teilweise mit tiefen Seiten- und Querrinnen zwecks Abfluss des Wassers versehen. Das Kies (Grien ) welches zum Unterhalt der Strassen gebraucht wurde, war aus gebrochenem und zerschlagenem Nagelfluhgestein hergestellt. Es wurde an verschiedenen höher gelegenen, mit Humus spärlich bedeckten Stellen, wie Pfaffenmatt, Ebene, Wolfgrube usw., im Winter oder bei Regenperioden, in harter Arbeit gewonnen. Die Kiesgewinnung war eine Arbeit der Buben unter Aufsicht des Grossvaters, oder gar der Grossmutter, die oft selber mitarbeiten mussten. Das "Mass" Grien, im Halte von ungefähr 1 m3, wurde mit 80 Rp. bis Fr. 1.- bezahlt oder an den Steuern abgerechnet. Wer zu wenig "Grien" ablieferte, musste den Fehlbetrag im Gemeindewerk beim Wegunterhalt oder im Gemeindewald abverdienen So war das "Grienklopfen", die Zubereitung von genügend Kies, beinahe Ehrensache. Die Buben wetteiferten unter sich und wollten bei der Ablieferung dabei sein und kontrollierten, wer genügend oder zuwenig anlieferte. Es war dies aber auch eine Arbeit, welche den Körper erwärmte. Ich erinnere mich noch gut, wie die Mutter zu uns Buben sagte: "Wenn ihr friert, so geht auf die Pfaffenmatt zum Grien, dort könnt ihr euch erwärmen; es braucht dann weniger Holz, um die Stube zu heizen." So wurde im Winter oft beim fahlen Schein einer Sturmlaterne noch in der Griengrube gewerkt.

Die Feldwege waren ohne Unterlage und unbekiest, sehr schmal und oft stark ausgefahren, so dass man bei Regenwetter Mühe hatte, mit schweren Fuhrwerken durchzukommen. Im Zusammenhang mit der Güterzusammenlegung gegen Ende der fünfziger Jahre wurden dann die Strassen und Flurwege verbessert. Die Ortsverbindungswege nach Egenwil, Kirchbözberg, Überthal und Remigen wurden bald nach Staubfreimachung der Dorfstrasse ebenfalls mit einem Teerbelag versehen. Nach Kirchbözberg und Überthal wurden die Strassen sogar vollständig neu angelegt und steilste Stellen überwunden. Neuerdings wurde auch die Strasse nach Remigen teilweise dem Gelände neu angepasst und geteert. Alle Strassen können heute mit schweren Fuhrwerken, Traktoren und motorisierten, modernen Landmaschinen und Autos befahren werden. Eine neue, moderne Schmutzwasserkläranlage in der Winkelmatt sorgt seit dem Jahre 1961 für die nötige Reinigung der Abwässer des Dorfes. Alle diese Anlagen dürfen für die kleine Gemeinde und ihre, mit nicht geringen Steuern belasteten Einwohner als vorbildlich bezeichnet werden.

 

Der Boden

 

Über dieses Thema könnte eine sehr grosse Abhandlung geschrieben werden. Wir wollen uns aber in unserer bewusst kurz gefassten Schrift nur auf das Wesentliche beschränken. Das Dorf und die Felder von Oberbözberg liegen auf einem Plateau des Tafeljura. Über die Bodengestaltung, ihre Entstehung und Zusammensetzung zitieren wir aus einer umfangreichen Arbeit von Dr. Paul Vosseler vom Jahre 1928 folgendes:

 

"Es sind mächtige Sedimente, die den grossen Süsswassersee im schweizerischen Mittelland ausfüllen halfen. Im Osten ist es die Juranagelfluh, eine aus Malm- und Doggergeröllen bestehende Ablagerung, die im Gebiet der Faltenjurastirn in einer Mächtigkeit von 100 m erhalten ist. Sie überzieht als mächtige Decke die Malmtafel des Bözbergs. Als 2 km breites Band folgt sie dem Südrand des Tafeljura. Sie wechselt mit rotgefleckten Tonen, in die sie oft in schmalen Bänken eingelagert ist. Am Bözberg wird sie von der obern Süsswassermolasse überlagert."

 

Wohl gibt es im Gemeindegebiet ein Anzahl Quellen. Ihr Ertrag ist jedoch gering und in grosser Abhängigkeit von den Niederschlagsverhältnissen, weil das Einzugsgebiet klein ist. An Stelle von laufenden Brunnen mussten Sode aushelfen. Feuerweiher und Brunnentröge waren die einzigen Möglichkeiten zur Speicherung von Löschwasser. Wie knapp diese Wasservorräte waren, zeigen verschiedene Brände, die noch zu Anfang dieses Jahrhunderts in Oberbözberg vorkamen.

Die Juranagelfluh ist über dem ganzen Gemeindegebiet noch gut erhalten und von einer mehr oder weniger dichten Malmkalkschicht überlagert. Je nach Tiefe und Ausdehnung dieser Humusschicht ist der Boden schwerer oder leichter zu bearbeiten. Seine landwirtschaftliche Nutzung muss den Verhältnissen richtig angepasst werden. Wenn unser Boden früher allgemein als wenig tiefgründig, mager und als schwer zu bearbeiten verrufen war, so darf an dieser Stelle gesagt werden, dass ihm bei intensiver Bearbeitung und richtiger Düngung gute Erträge abgewonnen werden können.

An Bodenschätzen kannte man früher das allerdings nicht in grossen Mengen vorkommende Eisenerz (Bohnerz). Wir wissen, dass solches noch während des vergangenen Jahrhunderts bis weit hinauf ins obere Fricktal gegraben und zu den damals noch bestehenden Hochöfen am Rhein und im nahen Schwarzwald transportiert wurde. Auch bei uns muss damals nach Erz gegraben worden sein. Gräben und Aufschüttungen zwischen Üelbach und Adlisberg, im sogenannten Enzacher (Erzacher), zeugen heute noch von jener Ausbeutung. Daher rührt auch der heute noch gebräuchliche Flurname "Enzacher", und in nächster Nähe dieser Stelle liegt die "Fürplatte" (Feuerplatte), offenbar die Stelle, wo einst Erz geschmolzen und Holzkohle gebrannt wurde. Wenn man neben diesem Erzvorkommen noch weitere "Bodenschätze" nennen will, so sind dies die Lehmgruben nordöstlich des Dorfes, wo früher in grösserem Umfang Lehm gefördert wurde für das Hafner- und Töpfergewerbe. Endlich seien auch erwähnt die Kalksteinbrüche in der Remigersteig und im Üelbach. Der erstere wurde vor hundert Jahren noch durch Gewinnung von Bausteinen für Brücken- und andere Bauten ziemlich intensiv ausgebeutet. Der Üelbachsteinbruch dagegen ist jüngeren Datums. Er lieferte das Material für die im letzten Weltkrieg, in den fünfziger Jahren, durch polnische Internierte erstellte grosse Mauer an der Strasse nach Überthal, die sogenannte "Polenmauer".

 

 

 

Ob diese bescheidenen, bald vergessenen Bodenschätze nicht früher oder später vielleicht wieder einmal zu Ehren gezogen werden müssen, wird die Zukunft lehren.


Alte Strassen

Heimatboden, stille Felder,

alte Strassen, alte Wege.

Eingerahmt durch dunkle Wälder.

Ackerland in guter Pflege.

Sieh die turbulente Stadt! -

Menschen kommen, Menschen gehen.

Wohl dem, der noch Musse hat,

seinen stillen Weg zu sehen.

Lärm und Hast und viel Getümmel,

Grossstadtleben voller Tücken.

Firlefanz und Modefimmel

über Weg und Steg und Brücken.

 

Glücklich, wer noch Sinn verspürt,

diesem Rummel zu entfliehen

und von stiller Hand geführt

durch das alte Dorf darf ziehen!


Die Schule

 

Bis zur Gemeindeteilung im Jahre 1872 gab es in der Gesamtgemeinde Bözberg verschiedene Schulkreise und Schulhäuser. Eine Dezentralisierung war bedingt durch die verschiedenen teils weit auseinander gelegenen Weiler und Höfe, wie aber auch durch die damals noch grosse Schülerzahl. Oberbözberg bildete mit Überthal, Riedacker Adlisberg und Italen einen eigenen Schulkreis. Das Schulhaus dieses Kreises steht heute noch still und verlassen am alten Weg nach Kirchbözberg und wartet auf seinen baldigen Abbruch. Es wurde im Jahre 1810 gebaut und im Jahre 1829 um einen Stock aufgebaut. Ursprünglich bestanden im Dorf eine Unter- und eine Oberschule. Je nach Grösse der Schülerzahl oder bei Lehrermangel wurden die beiden Schulen vorübergehend zusammengelegt, oder es mussten einige Kinder im damaligen kleinen Schulhaus in Kirchbözberg unterrichtet werden. Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts bis zum Bau des neuen Schulhauses im Jahre 1958 bestand eine Gesamtschule mit acht Klassen und 60 bis 70 Schülern in einem einzigen Raum unter einem einzigen Lehrer. Der Unterricht an einer solchen Schule war keine Kleinigkeit. Der Lohn des Lehrers war zwar in den Augen der Steuerzahler hoch, doch für den Empfänger eher bescheiden. Er betrug Fr. 800.- bis 1000.- pro Jahr, und der Lehrer war gezwungen, "im Nebenamt" mit seiner Familie noch einen kleinen Bauernhof zu bewirtschaften, damit er sich und seine Angehörigen durchzubringen vermochte. Ich erinnere mich noch gut daran, wie mein lieber, hochgeachteter Schulmeister kurz nach der Jahrhundertwende noch vierteljährlich Fr. 300.- als "Quartalzapfen" vom Schulgutsverwalter persönlich in Empfang nehmen durfte. Es war dies für den betagten Mann, mit einem täglichen Fussmarsch von Linn nach Oberbözberg, wo er noch das Mittagessen einnehmen und bezahlen musste, eine bescheidene Entlöhnung. Die Schülerzahl betrug damals 64, von denen nicht alles Engel waren. Kein Wunder, dass mich mein Lehrer im Frühjahr 1905 gerne nach Brugg in die Schule ziehen liess. So hatte er einen, zwar nicht flegelhaften, aber lustigen Lausbub weniger zu hüten und zu unterrichten. Mit den übrigen 63 "Schäflein" hatte er noch mehr als genug zu tun.

Mitte des laufenden Jahrhunderts wurde der Unterricht an den Schulen langsam ausgebaut und intensiviert. Die damals noch bestehende Gesamtschule Oberbözberg wurde wieder in zwei Stufen, nämlich die Unter- und Oberschule, getrennt. Seit der Inbetriebnahme des neuen Schulhauses im Jahre 1958 wird wieder von zwei Lehrkräften unterrichtet.

Im alten Schulhaus von Oberbözberg waren die Verhältnisse zur früheren Zeit noch schlicht und einfach. Der Fussboden bestand aus langen tannenen Brettern. Dazwischen gähnten breitestaubige Fugen. Den Staubsauger kannte man noch nicht. Der mächtige grüne Kachelofen als einziger Wärmespender im grossen Schulzimmer genügte an kalten Wintertagen kaum, um genügend Wärme abzugeben. Der Schulstubenwischer und Ofenheizer, welcher schon zwei volle Stunden vor Schulbeginn heizen und wischen musste, war ein geplagter Mann mit geringer Entlöhnung. Wir entnehmen dem Protokoll der Gemeindeversammlung vom 25. Januar 1869 folgende Stelle:

 

"Jakob Wächter, Salebüblis, wurde für dieses Jahr zum Schulofenheizer und Schulstuben- und Abtrittreiniger gewählt, wofür er von jeder Haushaltung des Schulkreises 20 Rappen pro Jahr zu beziehen hat, sowie die Abtrittjauche, die

Asche und der Kehricht sein Eigentum ist."


Mit Schulreisen und Jugendfesten wurden die Kinder zur damaligen Zeit nicht verwöhnt. Noch nach der Gemeindeteilung feierten die beiden geteilten Gemeinden Unter- und Oberbözberg alle vier Jahre auf dem Stalden oder auf Vierlinden gemeinsame Jugendfeste. Seltener noch waren damals die Schulreisen. Man ging zu Fuss nach der Habsburg aufs Gebenstorferhorn, auf die Gislifluh oder nach dem Schloss Wildegg oder Brunegg. Im Jahre 1855 war einmal in einer Gemeindeversammlung die Rede von einer Schulreise für die Oberschüler nach Zürich. Obwohl die Gemeindekasse angewiesen wurde, einen Beitrag von Fr. 57.50 zu übernehmen, reichte es aber nur bis Baden.

Der Lehrplan der Schule war einfach. Der Lehrer konnte bei der grossen Schülerzahl nicht überall dabei sein. So kam es, dass die Schüler der oberen Klassen zur Beihilfe bei den jüngeren herangezogen wurden. Neben Rechnen, Schreiben und Lesen als Hauptfächer wurde mit den Oberschülern wöchentlich etwa eine Stunde Schweizergeschichte, Geographie oder Naturkunde getrieben. Das Turnen und das Singen dienten als Abwechslung und Auflockerung des Unterrichts. Als Pausenplatz musste in Ermangelung eines Turn- oder Spielplatzes die Strasse benützt werden. Aus alten Protokollen geht hervor, dass der Lehrer mit den Buben nach dem Hühnerbüehl oder nach der Pfaffenmatt zum Turnen wandern musste. Um die Jahrhundertwende wurde dann in der Nähe des Schulhauses ein kleiner Turnplatz angekauft. Als einzige Turngeräte dienten bis zum Jahr 1909 ein morscher Stemmbalken und einige Eisenstäbe für Stabübungen. Dann wurde auf Ansuchen des neugegründeten Turnvereins ein Barren angeschafft, welcher auch der Schule zu dienen hatte. Am alten Schulhaus wurde mit Ausnahme eines Abortanbaues nie viel geändert. Im Hinblick auf ein neu zu erstellendes Gebäude liess man es bei einigen kleineren Reparaturen in den letzten 40 Jahren bewenden. Im Zusammenhang mit der Güterzusammenlegung in den fünfziger Jahren sodann wagte es die Gemeinde, ein grösseres Areal südöstlich des alten Schulhauses zu übernehmen. Was in vielen Gemeinden oft grosses Kopfzerbrechen macht, war somit in Oberbözberg nicht der Fall, denn östlich gegenüber dem alten Schulhaus war bereits ein grosser Spiel- und Turnplatz vorhanden, und es war nahe liegend, an dieser Stelle den Platz für das neue Schulhaus zu wählen. Dieser wundervolle, einzigartige Platz liegt zudem im Schwerpunkt der Gemeinde abseits der Dorfstrasse und dürfte mit seiner Lage, Ruhe und Rundsicht an das Maximum der Voraussetzungen, die an den Bauplatz für ein Schulhaus gestellt werden, grenzen. Der Stand der an das Schulareal angrenzenden Wiesen-, Getreide- und Kartoffelfelder bilden eine freudige Abwechslung und Augenweide in gehobener, aussichtsreicher Lage. Der Bau des neuen Schulhauses mit Turnhalle, Gemeindekanzlei und Militärunterkunft war für die kleine Gemeinde Oberbözberg ein grosses Werk, welches den damaligen Behörden und Einwohnern Ehre macht und von kommenden Generationen anerkannt werden darf. Das neue Schulhaus konnte im Jahre 1958 bezogen werden.

 

Das alte Schulhaus


Lasst mich beim alten Schulhaus

ein Weilchen stille stehn!

Ich möcht noch einmal träumen

in seinen trauten Räumen

und suchend um mich sehn

Ich denk an viele Freunde

in Wehmut noch zurück,

und fühle in der Stille

noch eine reiche Fülle

von Jugendfreud und Glück.

Drum reich ich unserer Schule,

die von uns gehen muss,

zu ihrem baldigen Ende

in Ehrfurcht meine Hände

zu Dank und letztem Gruss!

 

 

 

 

Die Landwirtschaft

 

Über die geologischen Verhältnisse des Ackerbodens auf dem Bözberg haben wir in einem früheren Abschnitt bereits Auskunft gegeben. Auf einer Doggerplatte liegt weicher Mergel und auf demselben Molassekalk. Darüber liegen hauptsächlich gegen Osten und Süden des Dorfes Böden der Süsswassermolasse, welche die gewellten Geländeformen erklären. Die Molassekalkplatten zeigen sich deutlich auf den wenig tiefgründigen Böden der Pfaffenmatt und der Wolfgrube. Zwischen diesen beiden Höhen, im Müggel und hinter dem Gässli, findet sich so weicher Kalk, dass sich damit wie mit einer Kreide schreiben lässt. Am deutlichsten zeigt sich die Gletscherablagerung der Süsswassermolasse im Eichholz und in der Ithalenhalde. Im Enzacher (Erzacker) südlich von Adlisberg, wo man heute noch Erzklümpchen findet, hat der Kalk vermutlich die Doggerplatte nicht ganz zu überdecken vermocht oder ist weggespült worden (Doggererz am Kornberg bei Frick). In der Leimgrube bestehen heute noch Löcher, wo früher Lehm ausgebeutet wurde. Allgemein gilt der landwirtschaftlich genutzte Boden als schwer, zäh und wasserundurchlässig.

Bis noch vor 100 Jahren gab es über den ganzen Gemeindebann zerstreut Sammelsteinhaufen aus grösseren Brocken, wie sie damals noch in den Äckern ausgegraben und weggeräumt wurden. Auch vereinzelte Buschgruppen und Überreste von Lebhecken, welche in früherer Zeit noch zur Einzäunung von Grundstücken und Weiden dienten, waren keine Seltenheit. Ihre letzten Reste sind erst im Zusammenhang mit der Güterregulierung in den letzten fünfziger Jahren verschwunden.

Landwirtschaftliche Maschinen gab es vor 100 Jahren auf unseren Bauernbetrieben noch nicht. Der Karst, die Hacke, die Sichel und die Sense, die Axt und die Säge, hölzerne Gabeln und Rechen waren damals die Werkzeuge, mit welchen der Bauer dem Boden den kargen Lohn abringen musste. Das Getreide wurde noch mit dem Flegel gedroschen und mit der Wanne und dem Sieb gereinigt und dem Müller auf der "Kehr" zum Mahlen mitgegeben. Hanf und Flachs wurde noch für den eigenen Bedarf angepflanzt und mit der Sichel geschnitten. Es war noch die Zeit, in welcher die junge Bauerntochter ihre Wäscheaussteuer aus selbstgesponnener und selbstgewobener Leine selber machte. Gerste und Hafer, welche Getreidearten zum Teil auch im Jungwald zwischen neugesetzte Pflanzen gesät wurden, sind noch mit der Sichel geschnitten worden. Anstelle des legendären Sämannes, der früher mit bedächtigem Schritt über den Acker ging und den Samen mit geübter Hand ausstreute, fährt heute die moderne Sämaschine. Die Wiesen wurden mit der Sense gemäht. Was heute ein einziger Mann in einer Stunde mit seiner Mähmaschine fertig bringt, leisteten damals vier tüchtige Mähder kaum in der Zeit von morgens 4 bis mittags 12 Uhr. Heu und Emd wurden noch mit dem Leiterwagen, welcher auch für die Getreideernte diente, heimgeführt. Das Heu- und Getreideaufladen und das Abladen in der Scheune war eine zeitraubende und sehr strenge Arbeit. Heute geht es mit dem Ladewagen und Heuaufzug oder -gebläse viel rascher und leichter. Als Zugtiere wurden Ochsen, Kühe und Rinder verwendet. Ein Pferd oder gar zwei konnte sich damals nur der "grosse" Bauer leisten. So ungefähr war es auf dem Oberbözberg noch vor 70 Jahren. Wir schildern diese Verhältnisse, damit wir und unsere Nachkommen sich ein Bild darüber machen können, mit wie viel Fleiss und Mühe unsere Vorfahren sich durchbringen mussten.

Inzwischen ist vieles anders und besser geworden. Bald nach dem Jahr 1900 ratterten die ersten Mähmaschinen mit Ochsen- oder Pferdezug. In den Scheunen surrten die ersten Handdreschmaschinen und die Windmühlen. Den Dreschflegel brauchte man nur noch zum sorgfältigen Dreschen des Roggens, dessen Stroh noch zum Decken der Strohdächer und für Garbenbänder oder zum Aufbinden der Reben (Heften) verwendet wurde. Der alte hölzerne Pflug wurde durch den Eisenpflug ersetzt und die hölzerne Egge durch die eiserne abgelöst. Die ersten Wagen mit Pneu-Bereifung kamen erst in den vierziger Jahren ins Dorf. Der erste Traktor konnte etwa 10 Jahre später bestaunt werden. Bald ersetzte die Motormähmaschine den Pferdezug. Die Ochsen- und Pferdebestände gingen langsam zurück, und dadurch wurden die Kuhbestände und Milcheinlieferungen vermehrt. Die Stiftendreschmaschine wurde durch die leistungsfähigere Breitdreschmaschine abgelöst und schon in den sechziger Jahren auf genossenschaftlicher Basis auf den Mähdrescher umgestellt. Diese moderne und arbeitssparende neue Maschine konnte allerdings erst nach erfolgter Güterzusammenlegung richtig eingesetzt werden. Als weiteres neues und sehr willkommenes Gerät ist die Motorsäge zu nennen, welche erst in den letzten 20 Jahren die Wald- und Handsäge weitgehend ablöste. Mit der Verbreitung all dieser neuen Maschinen begann für unsere Landwirtschaft eine Zeit vermehrter Produktion und einer teilweisen Umstellung auf andere Gebiete.

Um 1960 wurde in kleinerem Umfang noch Gemüsebau getrieben mit Rüben, Erbsen und Zwiebeln. Dieses arbeitsintensive und zeitraubende Gebiet wurde aber bald verlassen und durch die Produktion von Saatkartoffeln ersetzt. Ihr Anbau beschränkt sich auf die Betriebe östlich der Strasse nach Überthal unter der Kontrolle der Saatzuchtgenossenschaft. Wegen Krankheitsanfall und Schädlingsbekämpfung kann das Saatgut nur auf einem geschlossenen Gebiet gewonnen werden. Der Anbau von Speisekartoffeln ist dabei leicht zurückgegangen, obwohl die Sorten Bintje, Sirtema und Urgenta, neben anderen, wegen ihrer vorzüglichen Qualität guten Absatz finden. Die Kartoffelernte geschieht heute entweder noch mit dem Schleuderradgraber, dem Vorratsroder oder mit dem Samro, alles neue Maschinen, die allerdings bei nassem Wetter in unseren schweren Böden nicht eingesetzt werden können. Allgemein darf gesagt werden, dass der Kartoffelanbau in den letzten Jahren bei guter Aufmerksamkeit und Pflege der Kulturen gute Hektarroherträge abwarf. In den ersten Jahren nach dem letzten Weltkrieg 1939/45 setzte eine starke Steigerung der Kunstdüngeranwendung, insbesondere der Stickstoffdünger, ein. Die Erträge im Hackfrucht- und Getreidebau wie aber auch beim Futterbau sind daher in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Durch Maisanbau, Anlage von Kunstwiesen und die Grünfuttersilierung sind die Viehbestände, trotz vermehrtem Getreide- und Hackfruchtanbau, angestiegen.

Der Obstbau hat mit Ausnahme von Steinobst, hauptsächlich der Kirschen, bei uns nie einen grossen Platz eingenommen. Die Äpfel und die Birnen eignen sich des etwas rauhen Klimas wegen für neue Anlagen weniger gut. Sie spielen eher als Nebeneinkommen und für den Eigenbedarf eine gewisse Rolle. Die Kirschen dagegen, bei welchen die Umstellung auf Niederstammanlagen vor einigen Jahren begonnen hat, werfen bei guter Pflege und günstiger Witterung recht erfreuliche Erträge ab. Die Früchte werden sorgfältig abgelesen und sortiert und als Tafel- oder Konservenkirschen der Genossenschaft oder dem Händler verkauft. Ihr Erlös bedeutet für viele Bauern eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle.

Die Viehhaltung, hauptsächlich das Halten von Kühen, wurde zum Abbau der allgemein zu grossen Milcheinlieferungen, ferner auch wegen vermehrter Umstellung auf Ackerbau ebenfalls etwas umgestellt. Vielerorts ist von Milch auf Mast umgestellt worden, wodurch der monatliche Milchzahltag wohl etwas kleiner, die Gesamtjahreseinnahmen aber nicht geringer geworden sind.

Die Schweinemast steht nur in wenigen Betrieben hoch im Kurs. Auch Schweinezucht wird ebenfalls nur im Kleinen betrieben. Sonst ist die Schweinehaltung ungefähr gleich wie noch vor 50 Jahren, als sie der eigenen Verpflegung und gelegentlich zum Verkauf von jährlich einem bis zwei gemästeten Tieren an den Metzger diente.

Die Hühnerhaltung ist wegen geringer Rendite (teures Futter und geringe Eierpreise) in letzter Zeit stark rückläufig.

Der Rebbau spielte vor 50 und mehr Jahren auf dem Bözberg als Nebenzweig der Landwirtschaft noch eine gewisse Rolle. Fast jeder Bauer hatte 1 bis 3 Rebparzellen. Der Berichterstatter erinnert sich noch gut, dass neben dem kleinen geschlossenen Rebberg in der Winkelmatt, oben und unter dem Weg, auch auf der oberen Bachteln, im Rain unterhalb der Bachteln, im Hübeliacker, im Kapf und südlich und nördlich der Strasse gegen Remigen noch vereinzelte kleinere Rebhügel gepflegt wurden. Dazu hatten einige Bauern noch Reben im Kästal, im Mönthal und in der Schwendi (Gemeinde Remigen), sehr weit vom Dorf entfernt, während diejenigen von Überthal und Riedacker ihre Reben in nächster Nähe bewirtschafteten. Obwohl Aufwand und Ertrag nicht immer in einem guten Verhältnis zueinander standen, so waren die Leute doch stolz auf ihre Reben. Der Traubensaft wurde ab Trotte an Weinhändler, Wirte oder Private zum damals niedrigen Preis von Fr. 30.- bis Fr. 40.- je 100 Liter verkauft, und aus dem zurückgebliebenen Trester (Treber), welcher mit Wasserzusatz zu leichtem Gären gebracht und nochmals abgepresst wurde, machte man mit Beigabe von Zucker und etwas Kopierwein den sogenannten Hauswein, ein hellroter Durstlöscher, der nicht immer so harmlos war wie er aussah. Als dann in den zwanziger Jahren die Erträge wegen Rebkrankheiten und Vogelfrass immer geringer wurden, ging der Rebbau langsam zurück. Heute erinnern nur noch sehr kleine Pflanzungen ganz widerstandsfähiger Sorten an den einstigen Weinbau der Bözberger Bauern.

Die Güterzusammenlegung mit Neuantritt im Jahre 1948 ermöglichte die heutige, für das Juragebiet verhältnismässig gute Gesamtsituation der meisten unserer Landwirtschaftsbetriebe. Langsame Aufstockung durch Zukauf oder Zupacht einzelner Parzellen verhalfen der durch grosses Maschinenkapital und hohe Löhne und Kosten belasteten Landwirtschaft zu bescheidener Rendite. Knechte, Mägde und Landarbeiter sind heute zu einer Rarität geworden. Die Bauern sind mehr denn je auf die Maschine angewiesen und gezwungen, auf den Familienbetrieb umzustellen. Die Betriebsgrössen schwanken heute zwischen 6 und 20 ha Kulturland.

Je länger je mehr sind unsere Bauernsöhne auf gute Schulung und Weiterbildung in landwirtschaftlichen Schulen und Kursen angewiesen. Richtiger Fruchtwechsel Düngung, Bodenbearbeitung und gute Pflege der Kulturen wie aber auch die rechnerischen Belange verlangen eine gute Ausbildung der jungen Bauernsöhne, um ihre Existenz auf eigenem Grund und Boden behaupten zu können. Es ist ohnehin nicht leicht, sie angesichts der heute in der Industrie und im Gewerbe bezahlten hohen Löhne bei der Stange zu halten. Dasselbe gilt auch für viele Bauerntöchter, welche heute oft die Gelegenheit wahrnehmen, das Heimatdorf mit der Stadt oder einem Industrieort zu vertauschen.

Eines aber ist sicher: Auch in Zukunft wird es ohne grosse Anstrengungen unserer Landwirtschaft nicht gehen. Die Kriegs- und Krisenzeiten in den vergangenen 60 Jahren mit den zwei Weltkriegen 1914/18 und 1939/45 haben zur Genüge bewiesen, dass das Schweizervolk auf eine gesunde und leistungsfähige Landwirtschaft angewiesen ist. Alle unsere Mitmenschen ausserhalb des Bauernstandes wissen, dass wir durch gute Leistungen, Weiterbildung und Anpassung der Betriebe an die Zeiterfordernisse gewillt sind, unser Möglichstes zu tun. Die berufliche Selbständigkeit und die enge Verbundenheit mit der Heimat und der Natur und die Bauernfamilie als gesunde und echte Lebens- und Arbeitsgemeinschaft bürgen dafür, dass auch in Zukunft in schweren Zeiten für die Lebensmittelversorgung gesorgt ist. Dass dabei neben den ideellen Werten eine angemessene Entlöhnung der Bauernfamilien durch gerechte, den Gestehungskosten angepasste Produktepreise nicht fehlen darf, ist eine Voraussetzung, die jedem gerecht denkenden Mitmenschen einleuchten muss. So kann auch in der heutigen Zeit und in der Zukunft die bäuerliche Arbeit zur sinnvollen Lebenserfüllung werden in einem Ausmass, um das viele andere in besser bezahlten Berufen, aber weniger gesicherter Position, den Bauer beneiden. Wir wollen daher unserer heimatlichen Scholle die Treue halten und voller Hoffnung in die Zukunft blicken.

 

Erntedank

 

Brütend heisser Sommertag

über goldnen Feldern. -

Bienensummen, Finkenschlag

in den grünen Wäldern.

 

Schwere Fuder duftend Heu

stehen auf den Wiesen. -

Bauernleute sind dabei,

lassen Arbeit fliessen.


Schwüler Tag zu Ende geht,

Abendglocken klingen. -

Bauernfleiss von früh bis spät

lässt das Werk gelingen.

 

Ist das letzte Fuder dann

unterem Dach der Scheunen,

zünden wir das Pfeifchen an,

danken Gott und träumen!

  

Der Wald

 

Man gestatte mir als Naturfreund und begeistertem Waldmensch, auch den grossen Waldbeständen der Gemeinde Oberbözberg ein kleines Kapitel zu widmen. Meine Ausführungen werden zwar nicht alle Leser besonders interessieren. Es ist eben meine Schwäche, auch von dem etwas zu sagen, was still und bodenständig ist. So hoffe ich, dass unsere Wälder auch in Zukunft und zu allen späteren Zeiten zu unserer Freude und für unsere Gesundheit erhalten bleiben mögen. Wir leben ja schliesslich nicht vom Brot allein, es sollte auch Freude und gute Hoffnung auf die Zukunft sein.

Bevor wir auf unsere Waldungen in der Zeit von 1872 bis heute eingehen, seien mir einige interessante Aufzeichnungen erlaubt, welche über 170 Jahre zurückgehen. Noch vor 1799 waren grosse Waldflächen in der sogenannten grossen und der kleinen Halde und auch in der "Leigrueb" in gemeinsamem Besitz der Bürger von Ober- und Kirchbözberg (sogenannte Korporationen). Im Jahre 1799 sodann wurden die Waldungen der grossen Halde in 51 ungefähr gleich grosse Parzellen aufgeteilt und an die einzelnen Bürger zu privater Bewirtschaftung und Nutzung zugeteilt. Dasselbe geschah im Jahre 1826 mit dem Wald in der kleinen Halde. Die bezüglichen Bedingungen dieser Aufteilung sind im Dorfprotokoll von Oberbözberg der Jahre 1833 bis 1853 festgehalten. Sie lauten über die Teilung der kleinen Halde vom Jahre 1826 wie folgt:

 

ABSCHRIFT

von der Theilungsakkte über die keine Halden.

 

Zu wissen seye hiermit, das die Theilhaber der kleinen Halde derer 44, welche hernach beschrieben werden, sich untereinander abgefunden haben, diesen Holzberg unter folgenden Bedingungen unter sich theilbar zu machen und zu vermarchen.

BEDINGE

 

  1. Jeder Theilhaber solle von dem, durch das Los erhaltenen Theil seine darauf haftenden und allfällig noch aufgelegten Beschwerden schuldig sein, wie vor der Theilung, zu entrichten.

  2. Kein Besitzer oder Theilhaber solle berechtigt sein, den Theil, welcher im das Loos bestimmte, anderwärts als an die Bürger und Einwohner von Oberbözberg und Kirchen Bözberg zu veräussern und zu verkaufen. sollte ein solcher Theil erbsweise, oder durch Handlung an Jemand, zur Zeit, da sich ein Solcher in den angezeigten Ortschaften aufgehalten hat, gekommen sein und dieser würde seinen Aufenthaltsort ändern, so sollte ein solcher Theil, so lange er im Genusse desselben steht, benuzzen. Würde er aber zur Veräusserung schreiten, so sollte es keineswegs, als an oben angezeigter Bürger und Einwohner geschehen können.

  3. Ist es unter den Theilhabern einhellig angenommen worden einen neuen Fahrweg durch die ganze kleine Halde anzulegen, welcher schon ausgezeichnet ist.

  4. Da diese 44 Teile geometrisch ausgemessen und vermarchet sind, so sollte jeder Antheilhaber sich mit dem durch das Loos erhaltenen Theil begnügen und von seinem Nebenbesitzer nicht mehr oder weniger fordern können.

Urkundlich ist diese Theilung von den Unterschriebenen vollzogen worden, welche als ausgeschlossene der sämtlichen Antheilhaberschaft dazu gewählt worden sind.

Bözberg, den 12ten April 1826    Bezeugen: J. Siegrist, Ammann

 

 

Altes Strohhaus im Mitteldorf mit Waschhaus und Dorfbrunnen um 1910

 

Und nun einige kurze Ausführungen über die umfangreichen Waldungen von Oberbözberg gestützt auf Angaben des Gemeindeförsters Max Siegrist, umfassen die Zeit von 1872 bis 1972.

 

 

 

Waldfläche der Gesamtgemeinde Bözberg im Jahre 1872 total

378 ha

Nach der Gemeindeteilung: 
Ortsbürgergemeinde Unterbözberg 72 ha
Korporation Birch, Unterbözberg 12 ha
Privatwald Unterbözberg 108 ha
Unterbözberg total 192 ha
   
Ortsbürgergemeinde Oberbözberg 43 ha
Staatswald Ithalen 26 ha
Privatwald Oberbözberg 117 ha
Oberbözberg total 186 ha

 

 

Beim Privatwald Oberbözberg sind auch die 12 ha der ehemaligen Korporation "Leigrueb" enthalten, welche um 1910 aufgelöst wurde. Nach 1912 wäre diese Auflösung nicht mehr gestattet worden. Je nach Anteil an der Korporation wurden jedem Teilhaber entsprechende Waldflächen zugeteilt. Der grösste Teil des Privatwaldes liegt an Steilhängen. So z. B. vom Frohwald bis ins Riedacherloch, um den Adlisbergkopf bis zum Ülbach, dann im "Chilerain", an der grossen und kleinen Halde bis hinunter zur Sandgrube bei Remigen. Die ebenen Flächen sind im Eichholz in der "Leigrueb" und im Adlisberg. Die "Leigrueb" ist bekannt durch den Lehm im Lehmlochschlag wo die Hafner früher von weither den Lehm für ihr Gewerbe holten. Er soll zum besten Material in weitem Umkreis gezählt haben. Später wurde dort ein Gemeinschaftsteil geschaffen, so dass nur noch Eigentümer ihren Lehm dort holen durften. Das Eichholz trägt sei neu Namen von früheren grossen und schönen Eichenbeständen, von denen heute noch einige prächtige Exemplare Zeugnis geben.

Die Erschliessung durch Wege im Privatwald ist zurzeit noch mangelhaft. Die alten Waldwege sind bei nassem Wetter schwer befahrbar. Leider wurde bei der Güterregulierung in den Jahren 1944 bis 1948 nur Flurwege bis an die Wälder gebaut. Heute werden keine Güterzusammenlegungen mehr gemacht ohne Einbezug des Waldes, womit auch dieser erschlossen und besser zu bewirtschaften ist. Wir haben gegenwärtig in der Gemeinde Oberbözberg 179 ha Privatwald mit nicht weniger als 413 Parzellen.

Der Gemeindewald mit 37 % Nadel- und 63 % Laubholz befindet sich in der nordwestlichen Ecke des Gemeindebannes. Er ist in vier Abteilungen aufgeteilt. In den vergangenen Jahren gab es viel Windfall- und Sturmschäden. So wurden die schönen Nadelholzbestände im Imbermättli stark dezimiert.

Bis zum Jahr 1920 wurden im Frühjahr im Saftzustand noch Eichen geschält. Die Rinde der Stämme und Äste wurde getrocknet, in Bündel gebunden und dem Gerbereigewerbe zugeführt. Das Rindenschälen, an welchem sich die ganze Einwohnerschaft jeweils im Gemeindewerk beteiligte, war bei schönem Wetter im jungen Grün des Waldes für jung und alt ein besonderes Erlebnis.

Beim letzten Waldwirtschaftsplan vom Jahre 1957 zeigten die Wälder von Oberbözberg einen Vorrat von 262 m3 Holz pro Hektar. Der Zuwachs pro Jahr und Hektar beträgt 8,3 m3 und der Hiebsatz 160 m3. Die Bewirtschaftung geschah früher nur durch Kahlschlagbetrieb. In den Jahren 1900 bis 1910 wurde das Umtriebsalter auf 35 Jahre herabgesetzt, und der Kahlschlag wurde aufgegeben. Man hatte bei der vorangegangenen Bewirtschaftung beim Laubholz nur Stockausschläge, welche nicht mehr erwünscht waren. Die heute noch vorhandenen Stockausschlagbestände werden langsam in Hochwald übergeführt. Die standortsgemässen jungen Pflanzen werden als Naturverjüngung oder durch künstliche Pflanzung aufgezogen. Man räumt eine gewisse Fläche von 10 bis 20 a vollständig ab, pflanzt frisch an, und nach ungefähr 10 Jahren wird die Fläche vergrössert. Man nennt dies die Überführung von Mittelwald zu Hochwald. Wenn im Hochwald die Bäume schlagreif sind, wird wieder abgeräumt und neu angepflanzt. Die Pflegearbeiten sind bis zu etwa 8 Jahren die Jungwuchspflege. Nachher, wenn die Pflanzen über die Strauchschicht gewachsen sind, erfolgt die Dickungspflege. Im anschliessenden Stangenholz wird nur noch Hochdurchforstung gepflegt. Auf die Holzartenregulierung und auf die Erhaltung eines gesunden Nebenbestandes muss streng geachtet werden. Wir kennen in der Oberschicht die Hauptbäume, gestützt von der Unterschicht, welche Nebenbestand genannt wird. Letzterer sorgt für die Windruhe im Hauptbestand und schützt die wertvollen Bäume der Oberschicht auch gegen zu starke Besonnung und gegen zu starke Austrocknung des Bodens. Durch Laub und Nadelabfall sorgt er ferner aber auch für die natürliche Düngung und Verbesserung des Waldbodens.

Gabenberechtigte Ortsbürger sind zurzeit in der Gemeinde Oberbözberg noch 16. Früher waren es schon bis 45. Jeder Bürger erhält gegenwärtig 3 Ster Holz und das anfallende Astmaterial. Wellen zum Verkauf als Brennholz werden heute im Zeitalter der Öl- und Gasheizung keine mehr gemacht. Das anfallende Holz, welches nicht als Bau- oder Brennholz verkauft werden kann, geht mit Ausnahme von Eichenholz in die Papier- oder Spanplattenindustrie.

 

 

Forstwerkhof Oberbözberg

Gekauft vom VBS im Jahre 2001

 

Auch die Waldwirtschaft hat sich in den letzten Jahren der neuen Zeit angepasst. Was früher noch in harter Arbeit von Hand gesägt werden musste, wird heute mit der Motorsäge verarbeitet. Der Abtransport von Stämmen, der früher mit Pferde- und Ochsenzug bewerkstelligt werden musste, geschieht heute mit Traktor und Seilwinde.